Wahrnehmung

Angst und Ekel schärfen die Wahrnehmung

Foto: CHROMORANGE / chromorange

Ungesteuerte Mimik verändert die Wahrnehmung. Wer Angst hat, reißt Augen und Nase auf, um möglichst viel erkennen zu können. Wer sich hingegen ekelt, reagiert komplett gegenteilig und versucht äußere Einflüsse von sich zu weisen. So passt sich das Gesicht offenbar den gegebenen Situationen an.

Wer sich ekelt, verzieht unweigerlich sein Gesicht. Das Gleiche passiert bei Angst. Aber das verzogene Gesicht drückt nicht einfach nur die reine Emotion aus. Wissenschaftler der Universität von Toronto schreiben im Fachjournal "Nature Neuroscience", dass es auch einen biologischen Sinn hinter den Grimassen gibt: Die Sinneswahrnehmung ändert sich durch die ausgeprägte und ungesteuerte Mimik. Wer Angst hat, vergrößert sein Gesichtsfeld, beschleunigt die Augenbewegungen und erweitert die Nase. Angst lässt uns die Umwelt also unwillkürlich genauer wahrnehmen. Bei angeekelten Gesichtsausdrücken ist genau das Gegenteil der Fall.

Schon Charles Darwin vermutete, dass hinter emotionalen Gesichtsausdrücken mehr steckt als nur die Möglichkeit, über das Gesicht mit anderen Menschen ohne große Worte zu kommunizieren. Wie Joshua Susskind und sein Team nun zeigen konnten, passt sich das Gesicht offenbar an die Situation an: Wer Angst hat, der muss möglichst viel von der Umgebung wahrnehmen, er sperrt Nase und Augen auf, um viel zu riechen und zu sehen. Wer sich ekelt, will äußere Einflüsse weit von sich weisen.

Susskind und sein Team ließen Probanden Ekel- und Angstausdrücke genau imitieren und dabei verschiedene Wahrnehmungstests lösen. Die Forscher gehen auch davon aus, dass sich in der Evolution diese wahrnehmungsphysiologische Komponente zuerst entwickelt hat. Erst später hätten unsere Vorfahren dann gelernt, über die Gesichtsmimik mit anderen Menschen zu kommunizieren.