Massentierhaltung

Geflügelfarmen bedrohen genetische Vielfalt

Ramelsloher, Deutsche Sperber und Bergische Schlotterkämme: In deutschen Hühnerställen sind diese Geflügelrassen selten geworden. Extra gezüchtete Hochleistungsarten haben sie ersetzt, verlieren jedoch ihre genetische Vielfalt. Das könnte sich schon bald im Supermarktregal bemerkbar machen.

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Die Massentierhaltung auf den großen Geflügelfarmen führt zu einem Verlust der genetischen Vielfalt bei Masthähnchen und Legehühnern weltweit. Das Erbgut der Industrie-Hühner verfügt über höchstens halb so viele Varianten wie das der ursprünglichen Artgenossen, berichtet ein internationales Forscherteam in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften. Dies mache die Tiere anfälliger für Infektionskrankheiten und bedrohe somit auch die Geflügelwirtschaft als solche. Die genetische Vielfalt sei zu retten, wenn man gezielt Tiere verschiedener Geflügelfarmen untereinander sowie industrielle Rassen mit ursprünglicheren kreuze.

Die Wissenschaftler um Hans Cheng vom United States Department of Agriculture in East Lansing im US-Staat Michigan hatten das Erbgut von insgesamt 2580 Hühnern untersucht, 1440 davon stammten von industriell betriebenen Hühnerfarmen. Dann hatten sie die Variabilität an mehr als 2500 relevanten Stellen im Erbgut verglichen.

Eine der Hauptursachen für den Verlust der genetischen Vielfalt sei, dass mit dem Beginn der Massentierhaltung in den 1950er Jahren nur sehr wenige Hühnerrassen für die Fleisch- und Eierproduktion genutzt worden seien. Diese Tiere wurden nach wenigen Merkmalen ausgewählt, etwa ihrer Größe, der Masse an Brustfleisch oder wie viele Eier sie legen. Nahezu alle heute für die Fleischproduktion eingesetzten Hühner gingen auf nur drei verschiedene Rassen zurück, erläutert Bill Muir von der Purdue-Universität in West Lafayette im US- Staat Indiana, einer der beteiligten Forscher. Die Legehennen stammten sogar nur von einer speziellen Rasse ab.

Bei der weiteren Züchtung seien dann immer die Tiere ausgesucht worden, die den Anforderungen der industriellen Geflügelhaltung und den Wünschen der Verbraucher am besten gerecht wurden. Tiere von unterschiedlichen Farmen wurden nicht miteinander gekreuzt, so dass die genetische Vielfalt immer weiter reduziert wurde und noch bis heute wird.

Die Wissenschaftler um Cheng plädieren dafür, Tiere der großen Farmen mit nicht-industriellen Rassen zu kreuzen. Diese verfügten noch über die Merkmale, die den Industrie-Hühnern im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen sind. Solche Rassen seien zum Beispiel in Entwicklungs- und Schwellenländern zu finden.

Angaben der Forscher zufolge werden weltweit jährlich 40 Milliarden Hühner „produziert“ und zur Erzeugung von mehr als 60 Millionen Tonnen Fleisch und mehr als 55 Millionen Tonnen Eiern genutzt.