Genetik

Erlerntes wird an den Nachwuchs vererbt

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Werden erworbene Eigenschaften vererbt? Die Lehre Lamarcks wurde mit Darwin, spätestens mit Mendels Erkenntnissen zur Genetik beerdigt. Demnach wird nur vererbt, was in der Erbsubstanz festgelegt ist. Nun aber berichten amerikanische Forscher im „Journal of Neuroscience", dass Lamarck doch nicht ganz falsch lag.

Werden erworbene Eigenschaften vererbt? Die Lehre von Jean-Baptiste Lamarck wurde mit Charles Darwin, spätestens mit Gregor Mendels Erkenntnissen zur Genetik, beerdigt. Eigenschaften werden im Block, codiert im Erbgut, vererbt, das ist seit der Entdeckung der Erbsubstanz klar. Vererbt wird nur, was in der Erbsubstanz festgelegt ist. Nun aber berichten amerikanische Forscher im „Journal of Neuroscience“, dass Lamarck offenbar doch nicht ganz falschlag.

Das Team um Larry Feig von der Rush-Universität in Chicago arbeitete mit genetisch veränderten Mäusen. Diese trugen ein Gen, das ihr Gedächtnis stark verringerte. Sie wurden zu schusseligen Mäusen. Um etwas dagegen zu tun, ließen die Forscher junge Mäuseweibchen mit Spielzeug spielen. Mit Erfolg: Zeitlebens erinnerten sich die Mäuse besser, als ihre Gene es eigentlich zuließen. Der Grund: Im Gehirn der Mäuse verstärkte sich durch das Spiel der molekulare Mechanismus, der für die Erinnerungsleistung der Nervenzellen zuständig ist.

Dass eine anregende Umwelt gut für die Entwicklung des Gehirns junger Tiere ist, ist seit Längerem bekannt. Erstaunlich an Feigs Forschung ist aber, dass auch die Kinder dieser Mäuse sich besser erinnern konnten – obwohl sie kein Spielzeug bekamen und somit keine Chance hatten, selbst ihr Gedächtnis zu trainieren. „Bisher wurde noch nie gezeigt, dass eine bereits vor der Schwangerschaft erworbene Eigenschaft vererbt werden kann“, schreibt Dean Hartley, Zweitautor der Studie, von der Rush-Universität in Medford.

Dass die bessere Gedächtnisleistung nicht dadurch zustande kam, dass die „klügeren“ Mütter sich selbst und damit ihre Kinder besser ernährten, konnten die Forscher ausschließen. Die Mäusekinder, die von „Stiefmüttern“ großgezogen wurden, hatten ein genauso gutes Gedächtnis wie diejenigen, die bei ihrer „klugen“ Mutter blieben. Auch war offenbar eine bessere „Erziehung“ kein Grund für die Verbesserung des Gedächtnisses.

Mit der Vererbungslehre von Mendel lässt sich dies nicht erklären. Demnach hätten alle Mäusekinder vergesslich sein müssen. Forscher finden jedoch immer wieder Beispiele dafür, dass auch epigenetische Faktoren weitergegeben werden – also molekularbiologische Mechanismen, die bestimmte Gene an- oder abschalten.

Trotzdem ist Lamarck nicht rehabilitiert: Denn die klugen Mäusekinder verloren ihren Gedächtnisvorteil schon ein paar Monate nach der Geburt wieder – sie wurden schusselig. Und auch ihre Kinder profitierten nicht vom Gedächtniskick der Großmütter. Nach Lamarck müssten vorteilhafte, erworbene Fähigkeiten aber dauerhaft weitergegeben werden.