Umwelt

Tausende Ratten bevölkern Parks in Hamburg

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Insa Gall

Längst kriechen die Ratten in Hamburg nicht mehr nur bei Dunkelheit aus ihren Löchern – inzwischen laufen die Nager den Menschen sogar schon bei helllichtem Tag vor das Fahrrrad. Politiker planen bereits Maßnahmen, um die stark angewachsene Population der Tiere in der Stadt einzudämmen. Dabei sind aber auch die Bürger gefragt.

Sie kommen längst nicht mehr nur bei Dunkelheit aus ihren Löchern: Tausende von Ratten bevölkern Parks und Grünanlagen der Hansestadt und trauen sich besonders an der Alster mittlerweile auch tagsüber heraus. Wegen der milden Witterung ist die Population in diesem Jahr so stark angewachsen wie selten zuvor. „Es gibt mehr Ratten als sonst, wir haben 20 Prozent mehr Meldungen als üblich“, bestätigt die Epidemiologin Anita Plenge-Bönig vom Institut für Hygiene und Umwelt. Anwohner berichten, dass die Nagetiere abends an der Schönen Aussicht sogar die Straße überqueren und Bewegungsmelder an Wohnhäusern auslösen.

Die Zahlen, die der Senat jetzt auf Anfrage der SPD veröffentlichte, belegen den Anstieg. Bis Anfang Juni wurden beim Hygieneinstitut 1646 Fälle registriert, in denen Bürger das Auftauchen von Ratten meldeten oder das Institut die Nagetiere bei Kontrollen ermittelte. Auf das Jahr hochgerechnet, wären das 2008 rund 3900 Fälle. 2007 sind nur 2916 Meldungen eingegangen, im Vorjahr waren lediglich 2357 Fälle gezählt worden.


Ein Grund für den Anstieg: Viele Hamburger nutzten das schöne Sommerwetter der vergangenen Wochen für ausgedehnte Picknicks, Mittagspausen im Grünen und lange Grillabende an Alster, Elbe und im Stadtpark. Halbaufgegessene Würstchen, abgenagte Steakknochen, Brot- und andere Lebensmittelreste blieben oftmals zusammen mit dem Verpackungsmüll liegen – für die Ratten ein gefundenes Fressen. Anita Plenge-Bönig appelliert deshalb an die Bürger, ihren Abfall in die aufgestellten Mülleimer zu entsorgen oder gegebenenfalls mit nach Hause zu nehmen, falls die Müllbehälter bereits voll sind. Denn: „Nichts lockt Ratten mehr an als Lebensmittelreste.“

Ratten laufen vor das Fahrrad

Auch die ausgesprochen milden Winter der vergangenen zwei Jahre hat die Zahl der Nager stark anwachsen lassen. Einen extrem kalten Winter überlebt ein Teil der Ratten meist nicht, weil sie keine Nahrung finden, berichtet der Stadtjäger Ewald Pape. Bei milden Temperaturen aber fangen die Ratten besonders früh an, sich zu vermehren und verbreiten sich immer mehr. Wer abends durch das Eppendorfer Moor radelt, läuft derzeit Gefahr, dass ihm die Ratten direkt vor das Fahrrad laufen. Ähnliche Erfahrungen machen Besucher im Stadtpark. Stadtjäger Pape hat auch am Tage schon Ratten an der Alster gesichtet.

Die Bezirksversammlung Nord hat bereits auf Antrag der CDU beschlossen, die Müllentsorgung an der Alster besonders zwischen Bellevue und Alsterperle zu verbessern. Zudem soll verstärkt gegen die Ratten vorgegangen werden. „Doch an der Alster bleibt das Problem unverändert groß, weil die Ratten gern im Uferbereich leben“, sagt der CDU-Bezirksabgeordnete Christoph Ploß. Die SPD-Umweltexpertin Monika Schaal appelliert an die Hamburger, dafür zu sorgen, dass keine Lebensmittel im Freien liegen bleiben.

Auch der Bürger ist in der Verantwortung

Das Hygieneinstitut geht bereits mit Rattengift gegen die Nagetiere vor und legt an den einschlägigen Plätzen Köderboxen mit roten Warnhinweisen aus. „Aber auch der Bürger ist in der Verantwortung“, sagt Plenge-Bönig. Diese Mahnung bezieht sich nicht nur auf die Entsorgung von Abfällen nach Picknicks oder Grillabenden im Freien. Auch die vermeintlich umweltfreundliche Entsorgung von Kartoffel- oder Möhrenschalen auf Komposthaufen in privaten Gärten lockt Ratten an und führt dazu, dass sie sich satt und rund fressen können.

Die Nagetiere gelten vielen Menschen nicht nur als eklig, sie sind auch Gesundheitsschädlinge und deshalb meldepflichtig. Die Nager können Krankheiten wie Leptospirose, Salmonellen und Hepatitis E übertragen. Wer eine lebende oder auch tote Ratte sichtet, sollte dies deshalb den Behörden melden, und zwar unter der Nummer 42845-7972. Ihre Bekämpfung im öffentlichen Raum übernehmen die Behörden. Treten Ratten jedoch auf Privatgrundstücken auf, ist es Aufgabe der Besitzer, sie zu bekämpfen – mithilfe von Rattengift oder professioneller Unterstützung.