Insekten

Ameisen sind fiese Sklavenhalter

Wo Blattläuse an einer Pflanze saugen, sind häufig auch Ameisen nicht weit: Ihre Begierde gilt dem süßen Honigtau der Läuse. Nun haben englische Forscher herausgefunden, dass sie dazu die Läuse in Herden zusammen halten – wenn es sein muss, auch mit Gewalt.

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Hobbygärtner kennen das Problem: Die Ameisen laben sich am Honigtau der Läuse und verteidigen sie dafür vor Feinden. Diese Zweckgemeinschaft zum gegenseitigen Vorteil gilt gemeinhin als Symbiose. Doch es wird immer deutlicher, dass das Zusammenleben einen ganz anderen Charakter hat. Die Ameisen halten die Läuse wie Sklaven.

Blattläuse sitzen meist gemeinschaftlich, ohne sich viel zu bewegen, an jungen Trieben und Blättern und saugen zuckerhaltigen Pflanzensaft. Da sie aber gar nicht allen Zucker verdauen können, geben sie ihn als Honigtau wieder ab. Ameisen nehmen diese Tröpfchen gierig auf. Die Lauskolonie, die sie vehement gegen Marienkäfer und andere Feinde verteidigen, ist für sie so etwas wie eine Kuhherde.

Werden die Kolonien sehr groß, beginnen einzelne Läuse zu wandern, sie suchen sich eine noch nicht übervölkerte Nachbarpflanze. Sind aber Ameisen zugegen, dann verhindern die solche Wanderungen gezielt. Englische Biologen beschreiben in den „Proceedings of the Royal Society B“, dass die Ameisen Signalstoffe abgeben, die den Läusen das Wandern erschweren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit einer Bohnenblattlaus beträgt knapp einen halben Millimeter pro Sekunde. Steht sie aber unter dem Einfluss des Signalstoffs, dann läuft sie nur noch 0,35 Millimeter pro Sekunde.

Die Braunschwarzen Wegameisen, mit denen die Engländer experimentierten, sind offenbar bestrebt, ihre Lausherde beisammen zuhalten. Und dabei gehen sie bisweilen sogar noch rigoroser vor. Mit einem weiteren Signalstoff unterdrücken sie die Ausbildung von Flügeln bei den Läusen. Haben dennoch einzelne Läuse einmal Flügel, dann beißen die Ameisen sie einfach ab. Ein Zusammenleben zum gegenseitigen Vorteil ist das nicht mehr, es gleicht schon eher einer Sklavenhaltung.