Raumfahrt

Nasa sucht Wasser in gigantischen Mondkratern

Zwölf Menschen haben den Mond besucht: Dennoch wissen Astronomen über manche Regionen des Erdtrabanten weniger als über den Mars. Nun will die Nasa eine neue Phase der Forschung einleiten. Sonden sollen in tiefen Mondkratern Wasser aufspüren. Die Mission gipfelt in einer spektakulären Kamikaze-Aktion.

Der Nachbar ist uns fremd geblieben. Viele Regionen des Erdtrabanten gelten immer noch als unerforscht. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will am Donnerstag eine Renaissance der Mondforschung starten: An Bord einer Atlas-Trägerrakete will sie die beiden unbemannten Sonden LRO und LCROSS zum Mond schicken. Sie sollen eine der Kernfragen für eine mögliche Besiedlung des Erdtrabanten beantworten: Gibt es auf dem Mond Wasser, das Menschen dort ein Überleben sichern könnte?


Die bislang erforschten Regionen des Mondes sind trockener als jede Wüste auf der Erde. Sonnenstrahlen würden Wasser dort sofort verdampfen lassen. Die Nasa-Experten richten ihren Blick deshalb auf Extremregionen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat: Die Mondsonden sollen die Tiefen gigantischer Mondkrater erforschen, in die möglicherweise seit Milliarden Jahren kein Sonnenstrahl mehr gedrungen ist. In der Eiseskälte dieser so genannten Permanenten Schattenregionen (PSR) könnte sich gefrorenes Wasser erhalten haben, das etwa durch Kometen auf den Mond gelangt sein könnte.


Gipfeln wird die Mondreise in einer spektakulären Kamikaze-Mission. Eine der Mondsonden - LRO - wird sich 90 Minuten nach dem Start am Donnerstag (zwischen 23.12 Uhr und 23.32 Uhr MESZ) von der Rakete trennen und Richtung Mond weiterfliegen, den sie ein Jahr lang umkreisen und kartografieren soll. Die zweite Sonde - LCROSS - aber bleibt mit der letzten Stufe der Atlas-Trägerrakete verbunden, das Raketenteil dient später als Geschoss: Vier Monate lang bringt sich LCROSS für einen Einschlag in einem Mondkrater in Stellung, ehe im Oktober ein kosmisches Spektakel beginnt.


Denn dann wird sich LCROSS von der Raketenstufe trennen. Mit der enormen Geschwindigkeit von 9000 Stundenkilometern wird die Pkw-große Raketenstufe in einem Mondkrater einschlagen und eine Staubwolke von zehn Kilometern Höhe aufwirbeln. LCROSS durchfliegt die Wolke, sendet Messdaten über mögliche Wasserteilchen und andere Bestandteile zur Erde - und stürzt sich dann selbst in den Krater. Eine zweite Staubfontäne türmt sich auf, sie soll über Teleskope von der Erde aus untersucht werden.


Für die Nasa-Forscher ist die Mondmission wie eine Schatzsuche. Bislang schlägt ein halber Liter Wasser auf dem Mond mit etwa 50.000 Dollar zu Buche. So viel kostet es, ein Pfund Fracht dorthin zu transportieren. Projektmanager Dan Andrews erhofft sich von LCROSS eine „definitive Antwort“ auf die Frage, ob es auf dem Mond Wasser gibt oder nicht. Sein Nasa-Kollege Todd May erwartet, dass die Mission „uns die nötigen Informationen liefert, um die beste Entscheidung über die künftige Präsenz des Menschen auf dem Mond zu treffen“.


Bis 2020 wollen die USA wieder Menschen auf dem Mond bringen, dieses Ziel hat der frühere US-Präsident George W. Bush vorgegeben. Das Wasser brauchen die künftigen Mondfahrer dabei nicht nur zum Trinken. Mondwasser könnte in seine chemischen Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt und zu Luft oder Raketentreibstoff umgewandelt werden. Selbst wenn es nur nutzbaren Wasserstoff gäbe, wäre den Mondfahrern geholfen.


Egal, ob die Sonden fündig werden oder nicht: Die Nasa verspricht, dass die LCROSS-Schwestersonde LRO die Mondoberfläche mit beispielloser Präzision fotografieren soll. Ziel ist es, einen idealen Landeplatz für eine bemannte Mission zu finden. So will die NASA die Beinahe-Katastrophe des ersten Mondflugs 1969 vermeiden: Um ein Haar wäre die Apollo-11-Mission damals in einem Krater mit gefährlichen Felsbrocken niedergegangen. Neil Armstrong und Edwin Aldrin konnten gerade noch umsteuern, bei der knappen Landung neben dem Krater reichten die Treibstoffvorräte nur noch für 30 Sekunden Flug.



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