Partnerschaft

Wenn Väter ins Revier der Mütter eindringen

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Sie heißen "die neuen Väter": Sie packen mit an und teilen sich Geldverdienen und Kinderbetreuung mit ihren Partnerinnen. Statistiken zeigen: Immer mehr Väter nehmen Elternzeit. Die neue Rollenverteilung führt jedoch häufig zu Konflikten, weil die Betreuung der Kinder traditionell das "Revier" der Mütter ist.

Nach Auswertungen des Statistischen Bundesamtes stammten im vierten Quartal 2007 mehr als zwölf Prozent aller Anträge auf Elterngeld von Vätern. Das waren fast doppelt so viele wie noch in den ersten drei Monaten desselben Jahres. Auch Eberhard Schäfer, Leiter des Väterzentrums Berlin, beobachtet: „Zunehmend mehr Väter entscheiden: ‚Die Zeit mit meinem Kind gönne ich mir.'“

Doch die Teilung der Kindererziehung birgt Unsicherheiten und Konflikte. „Die Auflösung traditioneller Rollen bedeutet eine Befreiung, zugleich aber auch eine Entwurzelung“, sagt Hans-Walter Gumbinger vom Frankfurter Institut für Sozialforschung. In einer Studie befragte er 1500 Väter zu ihrer Vorstellung von Vaterschaft. Fast alle sahen das Leitbild des „neuen Vaters“ als erstrebenswert an. Das Problem sei jedoch, dass kein gesellschaftlich definiertes Bild existiert, was konkret ein „neuer Vater“ ist. „Es gibt keine Anleitung, wie die neuen Rollen auszufüllen sind. Junge Eltern sind wie Pioniere“, beschreibt die Ehe- und Familienberaterin Gerlinde Gailer aus Halle die Situation.


Wie schwierig es mit veränderten Rollenbildern und einer gleichberechtigten Erziehung ist, zeigt sich auch außerhalb der Familien. „Im Kindergarten heißt es oft: ‚So ein toller Vater, der bringt jeden Morgen sein Kind hierher', und dann rufen die Erzieherinnen im Fall von Krankheiten oder Schwierigkeiten doch die Mutter an“, sagt Eberhard Schäfer. Und Gerlinde Gailer stellt fest: Bringt der Vater das Kind ungekämmt und mit zwei verschiedenen Socken in die Kita, sei das witzig und werde tolerant aufgenommen. Aber bei Müttern werde streng geguckt.


Es gibt wenige Vorbilder, wie mit alten und neuen Rollen umgegangen werden soll. So müssen Eltern immer wieder aufs Neue aushandeln, was mütterliche und was väterliche Aufgaben sind. „Natürlich führt es zu Auseinandersetzungen, wenn Väter mehr und mehr in eine ursprüngliche Frauendomäne eingreifen“, erläutert Schäfer. Offensichtlich sei es für Mütter schwierig, Terrain freizugeben und den Vater als gleichberechtigte Bezugsperson des Kindes zuzulassen. Häufig bestehe die unbewusste Angst vor dem Liebesverlust des Kindes.

Konkret drehen sich die Konflikte im Alltag um unterschiedliche Vorstellungen von Haushaltsaufteilung, Ordnung und den erzieherischen Umgang mit den Kindern. Eberhard Schäfer spricht aus, was Väter am häufigsten nervt: „Er tut etwas – und erhält dauernd gut gemeinte Ratschläge von seiner Partnerin, wie er es besser machen könnte.“ Gerlinde Gailer bestätigt, dass sich Männer zurückziehen, wenn wiederholt das Gefühl entsteht „egal, was ich mache – es ist sowieso falsch“. Der Rückzug wiederum kann Auslöser für neue Auseinandersetzungen sein.

Einig sind sich die Experten, dass nur Gespräche die Probleme lösen. „Ein Kind ist der größte Anschlag auf eine Paarbeziehung“, sagt Gailer. Wie bei einem neuen Job sollten die Eltern einmal in der Woche eine Teamsitzung machen. Der Sozialwissenschaftler Hans-Walter Gumbinger plädiert dafür, auch vermeintliche Selbstverständlichkeiten immer wieder zu thematisieren. Häufiger Grund für Missverständnisse seien unausgesprochene Erwartungen oder Verhaltensweisen, die immer gleich ablaufen, die Partner aber eigentlich unzufrieden machen.

Eberhard Schäfer sieht die Konflikte, die durch das väterliche Engagement entstehen, durchaus positiv: „Auseinandersetzungen über die Qualität der Erziehung sind doch besser als darüber, dass alles an der Mutter hängen bleibt.“