Naturschutz

Scheuer Schwarzstorch kehrt zurück

Rund 40 Paare des scheuen Schwarzstorches brüten wieder in abgelegenen Gegenden in Thüringen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt er bereits als ausgerottet. Aufgrund der hohen Ansprüche an ihren Lebensraum und die besondere Geräuschempfindlichkeit sind die scheuen Vögel äußert selten.

Der scheue Schwarzstorch ist wieder in Thüringen heimisch. „Wir gehen von 35 bis 40 Paaren aus, die wieder in abgelegenen Gegenden brüten“, sagte Stefan Jaehne, Leiter der Vogelschutzwarte Seebach bei Mühlhausen, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das ist eine Erfolgsgeschichte für die Natur und den Vogelschutz in Thüringen.“ Der große Waldvogel habe hier bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts regelmäßig gebrütet. „Er wurde jedoch völlig ausgerottet.“ Durch strenge Schutzmaßnahmen sei er langsam wieder aus Osteuropa eingewandert.

„1984 wurde der Schwarzstorch erstmals wieder als Brutvogel im ostthüringischen Frankenwald nachgewiesen“, sagte der Forstwirt und Ornithologe. Er habe sich entlang der innerdeutschen Grenze Richtung Westen ausgebreitet und sei dann im Thüringer Wald, in der Thüringer Rhön, im Nationalpark Hainich und im Südharz aufgetaucht. „In Deutschland leben heute wieder schätzungsweise 450 Brutpaare, in Europa gehen wir von 8000 bis 12000 Brutpaaren aus.“ Genaue Zahlen seien deshalb so schwierig, weil Schwarzstörche zu den sensibelsten Brutvögeln überhaupt zählten, deren Horste selbst von Fachleuten nur schwer zu entdecken seien.

Im Gegensatz zu seinen bekannten Verwandten, den Weißstörchen, bevorzugten Schwarzstörche große Wälder mit Feuchtgebieten und brauchten zum Brüten starke Bäume wie Fichten und Buchen. „Bereits geringste Störungen wie Lärm, Holzeinschlag oder Stimmen reichen für ihn aus, um den Brutplatz aufzugeben oder einen Ersatzhorst zu beziehen. Die spätere Aufzucht der Jungen ist dort jedoch zumeist nicht so erfolgreich.“ Zwei bis drei Jungen würde ein Paar im Durchschnitt aufziehen. Bei guter Futterlage könnten es auch vier sein.

„Der Schwarzstorch hat den höchsten Schutzstatus.“ Deshalb wurden in den Forstämtern bestimmte Horstschutzzonen festgelegt, in denen jeglicher Holzeinschlag untersagt sei. Es gibt laut Jaehne extra Horstbetreuer, die die scheuen Tiere und ihre Entwicklung beobachten. Auch Fotografieren sei verboten. „Selbst erfahrene Förster und Jäger bekommen die imposanten Großvögel kaum zu Gesicht.“

Die Naturschützer befürchten, dass sich der verheerende Orkan „Kyrill“ Anfang 2007 auch in Thüringen negativ auf den Bestand der Vögel ausgewirkt haben könnte, weil möglicherweise alte Bäume mit Nistplätzen umgeknickt sind. „Aus Sachsen und Sachsen-Anhalt wissen wir, dass dies der Fall war.“ Die genauen Zahlen für Thüringen seien erst im Herbst bekannt. „Wir sind dabei, alles zu erfassen.“

Der sensible Vogel gibt seine Geheimnisse jedoch kaum preis: Wegen ihres scheuen Wesens können die Vögel kaum beringt werden. „Bisher waren wir sehr zögerlich bei Beringungen der Jungtiere. In der Rhön haben wir jetzt jedoch in drei Horsten damit begonnen“, sagte der 37- Jährige. Der Vogelschützer erhofft sich davon unter anderem Auskünfte über Flugverhalten, Paarung und Alter der Tiere. Zwischen 10 bis 30 Jahre kann ein Schwarzstorch werden.