Infektionsforschung

Aids existiert viel länger als bisher angenommen

Das HI-Virus ist bereits vor 100 Jahren aufgetreten: Zu diesem Schluss kommen US-Forscher anhand von Genanalysen von Erreger-Proben aus den Jahren 1959 und 1960. Die Wissenschaftler wollen nun klären, wieso Menschen nicht schon viel früher an Aids erkrankt sind, wenn es das Virus schon so lange gibt.

Das Aidsvirus ist viel älter als gedacht: Wissenschaftler um Michael Worobey von der Universität von Arizona in Tucson berichten im Journal „Nature“, dass Genanalysen der ältesten bekannten Erreger-Proben diesen Schluss zulassen.

Die Genetiker hatten Proben aus den Jahren 1959 und 1960 auf ihre genetische Varianz hin untersucht. Dabei stellten sie fest, dass sich die beiden Proben genetisch so stark von einander unterscheiden, dass dies nicht mit dem bisher angenommenen Geburtsdatum des Virus übereinstimmen kann. Denn obwohl die Erregerproben nur mit einem Jahr Abstand von einander entnommen wurden, unterschied sich ihr Erbgut um zwölf Prozent.


Der ursprüngliche HIV-Stamm, aus dem die beiden Untergruppen hervorgegangen sind, müsse bereits am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert erstmals aufgetreten sein, schreiben die Forscher. Man geht davon aus, dass es sich um eine Schimpansen-Variante des Virus handelt, die durch den Verzehr von infiziertem Affenfleisch auf den Menschen übergangen ist.

Nun müsse man klären, wieso – wenn es das Virus schon so lange gibt – nicht schon früher Menschen daran erkrankt sind.

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