Tiere

Gemeine Blutzikade zum Insekt des Jahres gekürt

Defilee der Schönheiten: Nach Florfliege, Rosenkäfer, Plattbauchlibelle, Zitronenfalter, Feldgrille, Schwebfliege, Steinhummel, Marienkäfer und Ritterwanze hat nun die Blutzikade den begehrten Titel "Insekt des Jahres" eingeheimst. Mit ihrer Färbung täuscht sie Giftigkeit vor, in Wahrheit ist sie völlig harmlos.

Die „Gemeine Blutzikade“ ist Insekt des Jahres 2009. Das nur neun bis elf Millimeter große schwarze Tier (lat. Cercopis vulnerata) sei aber gar nicht blutrünstig, sondern sehr harmlos und sauge nur an den Leitungsbahnen von Pflanzen mit zuckerreichem Saft, teilte das Kuratorium „Insekt des Jahres“ in Berlin mit.


Der Name komme von dem auffallend roten Muster auf den Flügeln, die dachförmig zusammengelegt werden. Die Blutzikade habe sich in den vergangenen Jahren weit nach Norden bis an den Nord-Ostsee-Kanal verbreitet. Die Wasserstraße zwischen den beiden Meeren in Schleswig-Holstein habe das Insekt vermutlich wegen seiner schlechten Flugfähigkeit aber bisher noch nicht überquert.


Wenn sie auch schlecht fliegen kann, ist die Blutzikade nach Angaben der Insektenforscher aber eine gute Springerin. Eine Fähigkeit, die ihr häufig das Leben rette. Mit ihrer Warnfärbung täusche sie zudem Giftigkeit vor und scheide bei Gefahr aus den Fußspitzen eine übelriechende, aber offenbar ungiftige Flüssigkeit aus, so dass dem Räuber der Appetit vergeht.


Die Blutzikade gehört zu der Art der Schaumzikaden, deren Larven in einem klebrigen Schaumnest, sogenannter Kuckucksspucke, vor Feinden und Austrocknung geschützt werden. Die Larven leben unterirdisch in 10 bis 15 Zentimetern Tiefe an Wurzeln von Gräsern und Weiden, bevorzugt an Waldlichtungen, Weg- und Grabenrändern aber auch in Gärten. Schlupfzeit der Tiere ist zwischen Mai und Juli.

Wie viele andere der weltweit etwa 40.000 Zikadenarten singt Cercopis vulnerata mit einem besonderen Organ, dem Tymbal, das an beiden Seiten der Basis des Hinterleibrings liegt. Die Männchen schlagen dabei kräftig mit den Flügeln oder sie „betrillern“ die Weibchen mit den Vorderflügeln. Für menschliche Ohren ist der Gesang aber – anders als bei den im Süden lebenden mehrere Zentimeter großen Singzikaden – zu leise, um ihn wahrzunehmen.


Mit der Blutzikade sei erstmals eine Zikade zum „Insekt des Jahres“ gekürt worden, erklärte das Kuratorium. Damit solle auf die auch bei uns verbreitete Art aufmerksam gemacht und um Sympathie für das Insekt geworben werden. Erstmals sei das „Insekt des Jahres“ zudem für den gesamten deutschsprachigen Raum deklariert worden, also einschließlich Österreich und der Schweiz. Von den weltweit 40.000 Zikadenarten gehören den Angaben zufolge 2.500 zur Familie der Schaumzikaden. In Mitteleuropa wurden bisher 800 Kleinzikaden-Arten festgestellt.

Die „Insekten des Jahres“ machen seit 1999 auf die weltweit artenreichste Gruppe von Tieren aufmerksam. Nach Angaben des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen, des Julius-Kühn-Instituts, sind von geschätzten 15 bis 80 Millionen Tierarten vermutlich 90 Prozent Insekten – von bislang insgesamt 1,65 Millionen beschriebenen Tierarten sind es immerhin eine Million. Die „allzu oft nur als Schädlinge oder Lästlinge“ betrachteten Insekten wiesen damit „die größte biologische Vielfalt aller Lebewesen überhaupt“ auf.