Innovation

Ein U-Boot für die Höhlen in der Alb

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Foto: ua/dt / DPA

Ein Tauchroboter soll die Höhlen im schwäbischen Blautopf erforschen. Im Dunkel orientiert er sich wie eine Fledermaus. Entwickelt wurden das Gefährt sowie alles daran und darin von einem Professor, der außerdem seine Studenten dafür begeistern konnte. Die bauen nämlich sonst eher nur Autos.

Am Anfang stand nach den Worten des Ulmer Informatik-Professors Frank Slomka eine "ganz spleenige Idee. Ich wollte ein U-Boot bauen." Jetzt steht das Unterwasserboot, das wie ein Torpedo mit mehreren Außenrotoren aussieht, vor ihm. Mit Studenten konstruierte der gebürtige Hamburger an den Universitäten Oldenburg und Ulm eine 80 Kilogramm schwere und 1,20 Meter lange Röhre, die schwimmen und tauchen kann.

Konnte das Ursprungsboot nur etwa 20 Minuten lang in rund 15 Meter Tiefe seine Kreise ziehen, soll die weiterentwickelte Erfindung bis in Tiefen von bis zu 150 Meter kommen. Die Batterien sollen außerdem Tauchgänge von bis zu zehn Stunden ermöglichen. Gleichzeitig ist der Tauchroboter auch salzwassertauglich. "Wir wollen in den Blautopf rein", sagt Slomka. Dort wollen sie den Tauchern bei der Erforschung des riesigen Höhlensystems helfen. Der Blautopf ist eine bis zu 21 Meter tiefe Quelle am Rande der Schwäbischen Alb bei Blaubeuren.

Der kleine Roboter hat ein eigenes Sonarsystem und ein Navigationssystem - alles selbst entwickelt. Damit kann sich das U-Boot ähnlich wie eine Fledermaus an den Echowellen orientieren, seinen Standort bestimmen und vorbeischwimmenden Fischen ausweichen. Das Miniatur-U-Boot kann einen vorprogrammierten Kurs abfahren und mit seiner Außenkamera Objekte auf dem Wassergrund identifizieren.

Roboter zur Minensuche

Die Marine setzt ähnliche Roboter ein, um Minen zu suchen. Außerdem können die unbemannten U-Boote Bohrinseln und Pipelines nach Schäden absuchen und in Häfen unter den einlaufenden Schiffen nach Schmuggelware wie etwa Drogen fahnden. Der Vorteil von Slomkas Erfindung: Im Unterschied zu den Marine-Booten kostet sein Boot statt 150 000 Euro nur 4500 Euro.

Bereits mit 14 Jahren baute der heute 42-Jährige die ersten Schiffsmodelle. Sein Vater war Kapitän eines Containerschiffes und brachte aus der Werft Schiffsbaupläne mit nach Hause, die Slomka nachbaute. Schon damals entwickelte er gemeinsam mit einem Freund ein ferngesteuertes U-Boot - noch lange bevor es diese in jedem Spielzeugladen zu kaufen gab. "Es wäre toll gewesen, wenn man da einen Computer hätte reinbauen können. Aber das war utopisch", sagt der Elektrotechniker.

Jahre später holte er die Idee nach. Seinen Studenten wollte er etwas anderes ermöglichen, als nur Autos zu bauen. "Schließlich landeten 80 Prozent von ihnen nach dem Studium sowieso als Ingenieure in der Automobilindustrie", sagt Slomka. Außerdem: "Wenn sie nicht selber mal was bauen, können sie nicht sagen, wie andere etwas bauen sollen."