Veterinärmedizin

Beim Fettabsaugen bei Tieren hört der Spaß auf

Ein Gorilla mit abgetrenntem Finger oder Transplantation bei Katzen: Solche Patienten gehören für den US-Chirurgen Michael Pavletic zum Alltag – er hat sich auf schwierige Erkrankungen bei Tieren spezialisiert. Anfragen kommen aus der ganzen Welt. Dabei geht es allerdings nicht immer nicht immer um medizinische Problemfälle.

Foto: picture-alliance / dpa / pa

Der Chirurg Michael Pavletic von der Bostoner Tierklinik „Angell Animal Medical Center“ gilt als Pionier in der rekonstruktiven Tierchirurgie. Gefragt sind die ungewöhnlichen Eingriffe nicht nur bei seinen Landsleuten: Pavletic bekommt inzwischen Anfragen von besorgten Tierhaltern aus aller Welt.


„In den 30 Jahren, die ich bereits als Chirurg arbeite, gibt es sehr wenige Dinge, die ich noch nicht gesehen habe“ sagt Pavletic, bevor er im Operationssaal verschwindet, um einer Katze Steine aus der Blase zu entfernen. Derart kurios muten die Probleme seiner tierischen Patienten oft an. So wurde ein Labrador zu ihm gebracht, der mit einem Mal nicht mehr Wasser lassen wollte. Nach etlichen Untersuchungen entdeckte Pavletic eine Kugel im Penis des Tieres. Das Geschoss war aus der Blase weiter nach unten gewandert, nachdem der Labrador von einem Unbekannten angeschossen worden war. Pavletic entnahm die Kugel - mit Erfolg.


Medizinische Eingriffe dieser Art werden von Veterinären noch nicht lange vorgenommen. In der Vergangenheit wurden Tiere mit schweren Verletzungen einfach eingeschläfert, um ihnen lebenslange Schmerzen zu ersparen. Doch die inzwischen oftmals enge Bindung vieler Besitzer zu ihren Lieblingen hat zu einer steigenden Nachfrage nach Tierchirurgie geführt.


„Ohne ihn wäre mein Max längst tot“, sagt Kristin Gagnon dankbar über Pavletic. Ihr Siamkater hatte sich vor vier Jahren schwere Verbrennungen zugezogen. Der Gaumen des Tieres war bis auf den Knochen verbrannt, nachdem der Kater auf einem Kabel herumgekaut hatte. Pavletic entnahm ein Transplant aus der Lefze des Tieres und stellte aus diesem den Gaumen wieder her.


"Ohne Sinn für Humor wirst du wahnsinnig"


Mit einem Tumor im Gesicht einer Katze namens „John Glenn“ fing für Pavletic alles an. Er arbeitete damals als Internist an der Bostoner Tierklinik Angell, als der ungewöhnliche Patient zu ihm kam. Mit konventionellen Methoden war es Tierärzten damals nicht möglich, den Tumor zu entfernen und gleichzeitg die Wunde zu schließen. Pavletic nahm ein schon älteres Handbuch über menschliche Wiederherstellungschirurgie zur Hand, in dem vorgeschlagen wurde, einen einfachen Hautlappen zu benutzen. Kurzentschlossen schneiderte er diese Routinetechnik aus der Humanchirurgie für eine Katze zurecht - und es funktionierte. „Von da an wuchs mein Interesse an Chirurgie“, sagt der inzwischen 58-jährige Mediziner.


Kernspintomographie für einen Goldfisch

Fachwissen und Erfindungsreichtum alleine reichen Pavletic zufolge jedoch nicht aus: „Ohne Sinn für Humor wirst du in diesem Geschäft wahnsinnig oder du hängst deinen Beruf an den Nagel“, sagt er. Das gilt ganz besonders wenn er mit Fällen zu tun hat, in denen Tiere vorsätzlich von Menschen verletzt wurden. Oder auch wenn er recht seltsame Anfragen erhält. So brachte einmal eine Familie ihren toten Goldfisch zu ihm mit der Bitte, mithilfe einer Kernspintomographie die Todesursache festzustellen. Der Grund des Ablebens: schlichtweg hohes Alter.


Und nicht immer geht es um medizinische Problemfälle. Manche Tierhalter scheinen Wiederherstellungschirurgie bei Tieren mit plastischer Chirurgie zu verwechseln. So bekam Pavletic bereits Anfragen nach Body Piercings für Hunde und Fettabsaugen bei dicken Katzen. Hier hört der Spaß für ihn auf: „Da sage ich schlichtweg Nein, das gehört einfach nicht zu den Dingen, die ich mache.“