Verbrechen

Serienmörder reagieren wie Hummeln

Geografische Profilierung heißt das Zauberwort, mit dem die Polizei Serienmörder aufspürt. Mit der Methode gelingt es, den Wohnort eines Täters eng einzugrenzen. Dafür setzten Forscher in London jetzt Hummeln ein. Die nämlich haben eine Methode, um das eigene Nest von Parasiten oder Feinden frei zu halten.

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Geografische Profilierung heißt das Zauberwort, mit dem die Polizei Serienmörder aufspürt. Mit der Methode gelingt es, den Wohnort eines Täters eng einzugrenzen. Dafür setzten Nigel Raine und seine Arbeitsgruppe von der Queen-Mary-Universität in London jetzt Hummeln ein: "Wir sind guter Hoffnung, dass wir diese Methode der Kriminologie noch verbessern können."

Der Kollaborateur heißt Bombus terrestris, die gewöhnliche Erdhummel, die durchaus Züge menschlichen Verhaltens zeigt. Die Tiere sammeln Nektar und Pollen in einem definierten Umkreis um ihren Bau herum - so wie auch Menschen für gewöhnlich in den Geschäften um ihre Wohnung herum einkaufen.

Der Unterschied ist, dass Hummeln zwischen Nest und Futterquelle eine Pufferzone tolerieren, in der sie alle Blüten unberührt lassen. Das vermindert das Risiko, dass lästige Parasiten oder gar Fressfeinde das Nest mit der Brut finden. Exakt so verhält sich auch ein Serientäter, sagt Raine: "Die meisten Morde passieren in Wohnungsnähe des Täters, aber nicht in einem Areal direkt um die Wohnung herum, wo die Taten selten begangen werden, weil die Gefahr der Entdeckung durch Bekannte und Nachbarn besonders groß ist."

Zur Unterstützung ist sogar Kim Rossmo von der texanischen Polizei, der die Methode der geografischen Profilierung entwickelt hat, nach London gekommen. Mit den britischen Kollegen beobachtet er das Verhalten der Hummeln; gemeinsam berechnen sie Bewegungsmuster und finden tatsächlich das Hummelnest.

Derartige Experimente seien mit Serienmördern nicht durchführbar, meint Raine: "Hummeln haben ein simples Gehirn, und wie sie auf Blumen reagieren, ist leichter zu verstehen als die komplexen Gedanken eines Kriminellen." Trotzdem ist die Methode auf den Menschen übertragbar. Statt die Flora der Umgebung zu beobachten, kommt es darauf an, Leichen, Tatorte, verlassene Autos und ähnliches zu kartieren, um den Täter einzukreisen.