Raumfahrt

Sonden im Dunstkreis des Mondes angekommen

Vor fünf Tagen noch auf der Erde, und jetzt schon in der Mondumlaufbahn: Zwei US-Sonden haben ihr Ziel erreicht. Die sollen den Erdtrabenten ein Jahr lang umkreisen und Fotos machen, was das Zeug hält. Danach folgt ein kontrollierter Absturz eines Teils – und auch der wird in Bildern festgehalten.

Fünf Tage nach dem Start haben zwei Mondsonden der USA den Erdtrabanten erreicht. Der „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO) und der „Lunar Crater Observation and Sensing Satellite“ (LCROSS) sind auf eine Mondumlaufbahn eingeschwenkt, wie das Nasa-Goddard-Raumflugzentrum in Greenbelt (Maryland) mitteilte. Die Raumflugkörper waren am vergangenen Donnerstag mit einer „Atlas V“-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) ins All geschossen worden.

Ziel der 483 Millionen Euro teuren Mission ist die Kartierung des Mondes mit bisher unerreichter Genauigkeit, die Erkundung von Landestellen für spätere bemannte Flüge, die Erprobung neuer Technologien und die Suche nach Wasser an den Polen. Dazu soll der Orbiter den Mond rund ein Jahr in etwa 50 Kilometern Höhe umkreisen und Aufnahmen mit einer Auflösung von etwa einem halben Meter machen.

In vier Monaten soll der etwa eine Tonne schwere Einschlagskörper LCROSS vom Orbiter abgetrennt werden, um dann im Sturzflug zuerst den Aufprall der „Atlas V“-Oberstufe auf der Mondoberfläche mit Kameras und weiteren Messinstrumenten zu erfassen, bevor er selbst auf dem Erdtrabanten zerschellt. Die Wissenschaftler hoffen, dass dabei Gesteinsmaterial aus der Oberfläche des Mondes herausgeschleudert wird und sich eine große Wolke aus Mineralien bildet, die vielleicht auch Hinweise auf Wassereis enthält. Die „Staubwolke“ des Einschlags soll von der Erde aus mit Teleskopen beobachtet werden können.

Deutschland ist mit zwei Forschergruppen an der US-Mission beteiligt. So stellt ein Team vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Technischen Universität Berlin sein Fachwissen auf dem Gebiet der geophysikalischen und geodätischen Interpretation hauptsächlich für die Daten des Laser-Höhenmessers LOLA (Lunar Orbiter Laser Altimeter) zur Verfügung. Das Institut für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bringt zudem seine Expertise auf dem Gebiet der geologischen Bilddatenauswertung und Altersbestimmung für die Aufnahmen der Mondkamera LROC (Lunar Reconnaissance Orbiter Camera) ein.

Die Berliner Wissenschaftler streben zudem die Identifizierung und hochpräzise Vermessung der Landestellen der Apollo-Mondmissionen aus den Jahren 1969-72 an.