Studie

Sexhormon schwindet nach der Hochzeit

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Lange ist bekannt, dass die Blutkonzentration des Sexualhormons Testosteron bei Männern mit dem Alter abnimmt. Nun haben US-Forscher eine Gegenthese aufgestellt: Die zeigt zumindest für die Männer des Ariaal-Stammes im Norden Kenias ein anderes Bild.

Die Wissenschaftler um Peter Gray von der University of Nevada in Las Vegas hatten die Testosteronspiegel bei 205 Ariaal-Männern unterschiedlichen Alters bestimmt und fanden: Die Hormonkonzentration hängt nicht vom Alter ab, sondern vom Ehestand.

Die Männer des Stammes aus Viehzüchtern haben einen deutlich höheren Spiegel, solange sie Singles („Krieger“) sind. Mit der Heirat fällt er recht abrupt ab – am tiefsten, wenn der Ariaal mehrere Frauen geehelicht hat.

Der Testosteronspiegel sei eher von sozialen und evolutionären Umständen abhängig als vom Alter, schlussfolgert Gray. „Die Testosteronspiegel sind bei verheirateten Männern niedriger, vermutlich weil sie weniger in die Partnersuche ‚investieren' als die Unverheirateten.“ Mit anderen Worten: weil sie nicht mehr im Wettstreit um einen Partner lägen.

Vermutlich sind diese Ergebnisse aber nicht auf moderne Zivilisationen übertragbar – und die Testosteronabnahme bei Männern hierzulande ist tatsächlich eine Funktion des Alters. Denn die Ariaal haben für unsere Verhältnisse ein eher ungewöhnliches Geschlechterverhältnis: Die Kontakte beschränken sich weitgehend auf Sex. Männer und Frauen haben ansonsten kaum etwas miteinander zu tun. Die Männer beteiligen sich auch kaum an der Kinderbetreuung. Von 203 befragten Ariaal-Männern erwähnten nur drei ihre Frauen als eine Quelle für emotionale Unterstützung.

( wom )