Sexualität

Neue Lustpille für Frauen erfolgreich getestet

Während Viagra bereits seit einem Jahrzehnt deutsche Männer erregt, gibt es für Frauen kein vergleichbares Mittel zur Steigerung ihrer sexuellen Lust. Doch das soll sich künftig ändern: Ein deutscher Pharmakonzern will nun eine Lustpille speziell für Frauen auf dem Markt bringen. An der Zulassung werde mit Hochdruck gearbeitet.

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Ingelheim ist dem Marktstart eines luststeigernden Präparats für Frauen ein großes Stück nähergekommen. Eine Analyse von Daten aus vier Studien der Phase III habe ergeben, dass mit der Einnahme des Wirkstoffs Flibanserin das Sexualverlangen bei Frauen zunehme.


Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern entwickelt die nicht-hormonelle Substanz zur Behandlung von Frauen vor der Menopause, die unter sexueller Lustlosigkeit leiden. Boehringer Ingelheim stellte die Tests anlässlich eines Sexualmediziner-Kongress im französischen Lyon vor.


Allein an drei Studien in Nordamerika nahmen rund 4000 Patientinnen teil. Die meisten Nebenwirkungen seien gering bis moderat gewesen. Neue Medikamente müssen drei klinische Studienphasen vor einem Zulassungsantrag bestehen.


Flibanserin, das ursprünglich einmal ein Antidepressivum werden sollte, setzt bei den Neurotransmitter-Systemen im Gehirn an, die eine Rolle beim sexuellen Verlangen spielen. Es wirkt daher völlig anders als etwa die Potenzpille Viagra des US-Pharmariesen Pfizer, die auf die Blutgefäße abzielt.


Die Sexualstörung bei Frauen ist inzwischen Experten unter dem Fachausdruck Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) geläufig. Umstritten ist jedoch, inwieweit es sich dabei wirklich um eine Krankheit handelt. Da es sich um ein neues Feld handelt, fällt den Experten daher auch schwer abzuschätzen, wie groß der Marktfür entsprechende Substanzen sein könnte.


Boehringer arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, Zulassungsanträge für das Präparat vorzubereiten. Zunächst soll in den USA die Zulassung beantragt werden, danach sollen Europa und weitere Länder folgen. Boehringer-Chef Andreas Barner hatte im Sommer in einem Interview gesagt, der Wirkstoff könne in zwei bis drei Jahren auf dem Markt sein.

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