Gesundheit

Fast jeder dritte Berliner ist Raucher

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Während in Bayern nur jeder Fünfte raucht, liegen die Berliner im Bundesvergleich an der Spitze. Die Tabakindustrie konzentriere sich letzter Zeit vor allem auf Frauen als Zielgruppe, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Grünen fordern, Zigarettenwerbung massiv einzudämmen.

Nirgendwo liegt der Anteil der Raucher an der Bevölkerung so hoch wie in Berlin mit 27,1 Prozent. Im Norden Deutschlands wird mehr geraucht als im Süden. So lag der Anteil der Raucher 2009 in Niedersachsen bei 22,6 Prozent, in Hamburg bei 22,7 Prozent und in Bremen sogar bei 25,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Baden-Württemberger (18,9 Prozent) und Bayern (19,8 Prozent) rauchen seltener.

Vor allem Kinder müssen nach Ansicht der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans (FDP) besser vor den Gefahren des Passivrauchens geschützt werden. Prävention müsse schon im Mutterleib beginnen, sagte Dyckmans am Freitag in Berlin. Werdende Mütter müssten „nachhaltig über die schwerwiegenden Folgen des Rauchens aufgeklärt werden“, forderte sie mit Blick auf den Weltnichtrauchertag am 31. Mai.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warf den Tabakkonzernen vor, gezielt Frauen süchtig machen zu wollen. Die Grünen sprachen sich dafür aus, die Tabakwerbung einzudämmen.

Dyckmans stellte in Berlin gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum den Report „Schutz der Familie vor Tabakrauch“ vor. Demnach erleiden rauchende Frauen häufiger eine Früh- oder Fehlgeburt. Zudem seien die Kinder rauchender Mütter bei der Geburt oft untergewichtig und es bestehe ein mehr als doppelt so hohes Risiko, dass sie innerhalb ihres ersten Lebensjahres am plötzlichen Kindstod sterben, betonte die FDP-Politikerin.

Der neue Report des Krebsforschungszentrums macht auch deutlich, welche gesundheitlichen Schäden Kinder und Jugendliche erleiden können, wenn ihre Eltern zu Hause rauchen. Mehr als 1,7 Millionen Kinder sind demnach daheim täglich Tabakrauch ausgesetzt. Die Folge sind Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen und Asthma. Im Report gibt es den Angaben zufolge konkrete Handlungsempfehlungen, wie rauchende Eltern zu einem Rauchstopp motiviert werden können.

Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Forschungszentrum: „Wo immer sich Kinder aufhalten, sollten Erwachsene dafür sorgen, dass nicht geraucht wird.“ Das gelte für Familienfeste genauso wie für öffentliche Veranstaltungen in Gemeindesälen oder Festzelten oder bei Vereinen. Die Expertin regte ein gesetzliches Verbot an, um das Rauchen im Auto in Anwesenheit von Schwangeren und Kindern zu unterbinden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warf der Tabakindustrie vor, Frauen durch gezielte Werbung in die Nikotin-Abhängigkeit führen zu wollen. Firmen wie BAT, Japan Tobacco International und Philip Morris stellten das Rauchen in Anzeigen als „glamourös und sexy“ oder als Schlankheitsmittel dar, warnte die WHO am Freitag in Genf anlässlich des Weltnichtrauchertages. Zudem versuche die Industrie die Frauen davon zu überzeugen, dass Rauchen ein Akt der Befreiung von männlicher Dominanz sei.

Nach WHO-Angaben rauchen weltweit rund 200 Millionen Frauen (neun Prozent aller Frauen) und 800 Millionen Männer (40 Prozent). Vor allem in den armen Ländern sähen Tabak-Firmen in der weiblichen Bevölkerung ein riesiges Potenzial neuer Kunden. Insgesamt sterben jedes Jahr laut WHO rund fünf Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens.

Die Grünen forderten die Bundesregegierung auf, eine Strategie gegen das an Kinder und Jugendliche gerichtete Tabakmarketing vorzulegen. „Ein Verbot der Tabakwerbung in der Öffentlichkeit auf Plakaten gehört ebenso dazu wie die Einführung bildlicher Warnhinweise auf Zigarettenschachteln“, teilten Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik, und Ulrike Höfken, Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in Berlin mit.

( dpa/epd/mim )