Tropischer Regenwald

Farbige Insekten führen Forscher zu Heilpflanzen

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Der tropische Regenwalt birgt einen wahren Schatz für die Humanmedizin: nämlich Heilpflanzen. Doch das Aufspüren der Pflanzen gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Forscher haben nun erstmals entdeckt, dass bunte Insekten ideale Wegweiser sind, da die Heilpflanzen die Insekten vor Fressfeinden schützen.

Auffällig gefärbte Insekten liefern eindeutige Hinweise auf das Vorhandensein von Heilpflanzen. Das hat jetzt ein Forscherteam des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama entdeckt. Den Wissenschaftlern zufolge ernähren sich gerade die farbenprächtigen Insekten von solchen Pflanzen und nehmen aktiven deren Substanzen auf, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Diese schützenden Stoffe werden in der Humanmedizin als heilende Mittel eingesetzt.

Pflanzen sieht man von außen nicht an, ob sie über heilende Substanzen verfügen oder nicht. Die Insekten zeigen jedoch den Weg an. Schon lange vermuteten die Forscher dass man Heilpflanzen mit Hilfe von Insekten aufspüren kann. In einer Studie untersuchte das Team um den Entomologen Todd Capson vom Smithsonian Institute zehn Pflanzen, die als heilbringend bekannt sind und zehn Pflanzen ohne aktive Substanzen. Die "normalen" Pflanzen sahen den Heilpflanzen sehr ähnlich, dennoch fanden die kleinen Käfer häufiger den Weg zu den aktiven Substanzen.

Bunte und farbige Insekten wurden auf neun von zehn heilenden Pflanzen gefunden. Umgekehrt konnten sie nur vier auf den Nicht-Heilpflanzen feststellen. Jede der Heilpflanzen hatte durchschnittlich 1,9 schillernde Insekten auf ihren Blättern. Bei den anderen Pflanzen waren es nur 0,5. "Das ist das erste Mal, dass jemand nachgewiesen hat, dass auffällig gefärbte Insekten in Zusammenhang mit Heilpflanzen stehen", meint der Forscher.

Bisher hatten Forscher auf der Suche nach neuen Substanzen vor allem auf das Wissen aus traditionellen Medizinsystemen zurückgegriffen. "Indigene Völker haben eine lange Tradition bei der Verwendung verschiedener Heilpflanzen", meint auch der Ethnobotaniker und Direktor des National Tropical Botanical Gardens in Kauai, Paul Cox. Er hatte bei eigenen Forschungsarbeiten in der Rinde des samoanischen Mamala-Baumes den Anti-AIDS-Wirkstoffes Prostratin entdeckt. "Die Pflanze spielt seit Generationen in der samoanischen Medizin eine wichtige Rolle."

Die Idee, dass auch Tiere einen Hinweis auf versteckte Inhaltsstoffe geben könnten, hatten Forscher schon früher. Allerdings ging man zuvor davon aus, dass man die Tiere sammeln und in deren Körpern die Wirkstoffe aufspüren könne. Das Sammeln von Insekten ist aber keine Option, da die kleinen bunten Käfer zu den Pflanzen finden und leicht durch ihre auffällige Farbe aufzuspüren sind. Die kleinen Lebewesen ernähren sich von den Pflanzen und reichern die Wirkstoffe im Körper an, dadurch sind sie für Fressfeinde ungenießbar. Ihre grellen Signalfarben – meist gelb und rot – zeigen den Feinden diese Giftigkeit an.

( VR )