Geplanter Weltraumflug

Wie Google-Gründer Brin der Umwelt schadet

Mit einer russischen Sojus-Rakete will der Internet-Milliardär und Google-Gründer Sergey Brin ins All fliegen. Allein dieser Flug wird so viel Kohlendioxid in die Luft blasen, wie ein durchschnittlicher Kalifornier in sieben Jahren produziert. Das Vorhaben konterkariert Googles Bemühungen um den Umweltschutz.

Foto: BW CH**NY** / AP

Sergey Brin fährt ein umweltfreundliches Auto mit Hybridantrieb, auf dem Dach des von ihm gemeinsam mit Larry Page gegründeten Internetkonzerns Google ist eine der größten Solaranlagen der USA installiert und die beiden Gründer nutzen ihre Firma, um alternative Energietechnologien zu fördern, mit denen schon bald Strom günstiger produziert werden soll als aus Kohle. Der 34 Jahre alte Milliardär Brin zeigt, dass er sich bei weitem nicht nur für das Tagesgeschäft des größten Suchmaschinenbetreibers der Welt interessiert. Sein Herz schlägt ebenso stark für die Umwelt. Ganz wie es sich für einen erfolgreichen kalifornischen Internetunternehmer heutzutage gehört.

Auch die Begeisterung für moderne Technik steckt tief in dem Mann, der als Sechsjähriger mit seinen Eltern aus der Sowjetunion in die USA gekommen ist. Brin hat den Traum, mindestens einmal ins All zu fliegen und in der Schwerelosigkeit zu treiben. "Ich glaube fest an die kommerzielle Nutzung des Alls", sagt Brin. Davon zeugt auch der Nachbau des für private, suborbitale Raumflüge entwickelten "SpaceShipOne", das im Foyer der Google-Zentrale in Mountain View hängt. Brin steckt zudem Google-Millionen in den "Lunar X Prize", einen Wettbewerb rund um die Entwicklung des ersten von privaten Investoren auf den Mond geschickten Landegefährts.

Mitte Juni hat Brin einen großen Schritt in Richtung seines ersten Raumflugs gemacht. Fünf Millionen Dollar hinterlegte er bei der US-Firma "Space Adventures" für das Vorkaufsrecht auf ein Ticket, das ihm im Jahr 2011 den Flug in einer russischen Sojus-Kapsel ermöglichen könnte. Insgesamt wird ihn der Ausflug mehr als 35 Millionen Dollar kosten, sollte er ihn tatsächlich buchen. Doch das Image des Umweltschützers lässt sich mit dem des Hobby-Astronauten nur schwer verknüpfen, meint David Kreuzer vom konservativen Forschungsinstitut Heritage Group in Washington. "Brin ist wahnsinnig inkonsequent", sagt Kreuzer. "Einerseits warnt er vor den Auswirkungen des Klimawandels, auf der anderen Seite pustet er mit seinem Raumflug große Mengen Kohlendioxid in die Luft." Ein Google-Sprecher wies auf Anfrage von Morgenpost Online darauf hin, dass es voreilig sei, über den Umweltweinfluss des Raketenflugs zu spekulieren. Da Brin nur eine Option erworben habe, "kann es durchaus sein, dass er gar nicht fliegt", so der Sprecher.

Für den Fall der Fälle hat der britische Energieexperte Steven Fawkes bereits konkrete Zahlen parat. Er interessiert sich schon seit vielen Jahren für Weltraumtourismus und hat die CO 2 -Emissionen der Flüge berechnet. Seinen Berechnungen zufolge würden bei dem Start der Sojus-Rakete allein 71,5 Tonnen CO 2 -Emissionen auf das Konto von Brin gehen. Dabei sind die Energiemengen noch nicht berücksichtigt, die für den Transport des Kommandanten und des zweiten Passagiers sowie den Bau der Trägerrakete und der Transportkapsel benötigt werden. Bei suborbitalen Flügen, die etwa die Firma Virgin Galactic schon ab kommendem Jahr anbieten will, sind die CO 2 -Emissionen wesentlich geringer und betragen laut Fawkes etwa drei Tonnen pro Passagier.

Doch Brin wird auf seiner Reise vom Weltraumbahnhof in Baikonur in die Erdumlaufbahn so viel Kohlendioxid produzieren, wie ein durchschnittlicher Kalifornier durch heimischen Energieverbrauch und Autofahren in sieben Jahren erzeugt. Die riesige Google-Solaranlage muss mehr als zwei Wochen laufen, um die gleiche Menge zu kompensieren. Eine Energiesparlampe, die anstelle einer dauerhaft brennenden Glühbirne eingesetzt wird, müsste 275 Jahre ohne Pause leuchten, um die 71,5 Tonnen CO 2 einzusparen.

"Ich fürchte, dass Umweltschützer solche Zahlen für sich nutzen und bald gegen Weltraumtourismus protestieren", sagt Experte Fawkes. Daher müssten die Anbieter von Weltraumtrips oder suborbitalen Flügen die Möglichkeit anbieten, die CO 2 -Emissionen durch Zertifikate zu kompensieren. Der Reiseveranstalter Space Adventures hatte eine solche Option bei den fünf bislang organisierten Flügen nicht im Angebot, denkt über eine solche Option aber nach, so eine Sprecherin. Die Idee dabei ist, dass der Passagier auf der Erde in Klima schonende Maßnahmen investiert, und so die CO 2 -Emissionen des Flugs ausgleicht.

Google nutzt solche Zertifikate bereits im großen Stil und hält daher das weltweite Geschäft des Unternehmens für CO 2 -neutral. So kauft der Konzern solche Papiere etwa auch, um die durch Brins Flüge im Firmenjet verursachten Emissionen auszugleichen. Für den Flug mit der Sojus-Rakete würden solche Zertifikate mit nicht einmal 2.000 Euro zu Buche schlagen, meint Energieexperte Fawkes. Doch Brin selbst glaubt nicht an die Aussagekraft solcher Zertifikate. "Manchmal ist es nicht klar, wie diese Kompensationen erzielt werden", sagte er im November vergangenen Jahres auf seine Reisen in der firmeneigenen Boeing 767 angesprochen. "Viel wichtiger noch: Einfach die niedrig hängenden Früchte als Kompensation zu ernten, ist nicht angemessen, um mit dem Klimawandel fertig zu werden." Doch es sei unrealistisch zu erwarten, dass jeder aufhören werde zu reisen. Und das wird für Brin wohl auch für Ausflüge ins Weltalt gelten.