Archäologie

Der Bimsstein wird seit Jahrtausenden gehandelt

Bimssteine haben sich verraten: Chemiker wiesen nach, dass das Material aus Vulkangestein schon vor mehr als 2000 Jahren vom Menschen genutzt wurde. Schon damals verwendete man den Bimsstein als Schleifmittel. Weil es aber nicht überall Vulkane gibt, wurden die Steine auch damals schon rege gehandelt.

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Mit Hilfe der chemischen Fingerabdrücke von Vulkanausbrüchen und zahlreichen Bimssteinfunden bei archäologischen Grabungen konnten Wissenschaftler am Atominstitut der Technischen Universität Wien Verbindungen zwischen den frühen Hochkulturen im östlichen Mittelmeerraum nachweisen. Das schaumige Vulkangestein, das man heute zumeist als Kosmetikbehelf beispielsweise gegen verhornte Fußsohlen verwendet, wurde auch im Altertum als Schleifmittel benutzt. So wird es auch immer wieder bei Grabungen gefunden. Da es jedoch nicht überall Vulkane gibt, war eine rege Handelstätigkeit zwischen den Völkern ausgebrochen, wie Chemiker Georg Steinhauser und seine Kollegen jetzt belegen konnten. "Wir konnten aufdecken, dass Bimsstein als Handelsware vermutlich über den Seeweg Distanzen bis zu 2.000 Kilometer im Mittelmeer zurückgelegt hat. Beispielsweise von der äolischen Insel Lipari nördlich von Sizilien bis nach Palästina", berichtet Steinhauser.

In der Bronzezeit zwischen dem 3. und 1. Jahrhundert vor Christus gab es in der Mittelmeerregion bereits rege Besiedlung, Hochkulturen entwickelten sich. So ist auch über die einzelnen Kulturen - ägyptische, syrische oder minoische - einiges bekannt, die chronologische Geschichte ist gut erforscht. Allerdings fehlte zwischen den einzelnen Standorten und Kulturen bisher die Verbindung, denn oftmals hatte kein Briefverkehr oder ähnlicher Austausch stattgefunden bzw. ist dieser nicht erhalten. Die einzelnen Kulturen untereinander zu synchronisieren ist also schwierig, erklären die Wiener Forscher.

"In Ägypten fand man Bimsstein in ehemaligen Werkstätten. Sie wurden zum Schleifen von Skulpturen, Bronzegegenständen und Bauwerken verwendet", sagt Steinhauser. "Mit Hilfe der chemischen Analysen können wir zurückverfolgen, von welchen Vulkanen die Proben ursprünglich stammen." Denn wie feinkörnige Vulkanasche hat auch Bimsstein eine charakteristische Zusammensetzung an Spurenelementen, aus der man einen chemischen Fingerabdruck erstellen kann. Dieser lässt sich dann mit einer Datenbank abgleichen. Dazu hatten die Forscher Bimse aus mediterranen Vulkanzentren als auch archäologisch relevante Bimssteinfunde mittels instrumenteller Neutronenaktivierungsanalyse und Gammaspektrometrie behandelt und analysiert. "Gleicht der Fingerabdruck des Fundstücks dem eines Gesteinstyps aus der Datenbank, ist die Herkunft zweifelsfrei bewiesen", erklärt Steinhauser. Wisse man, welchem Vulkanausbruch die Funde entstammen, ergebe sich ein bestimmter Zeithorizont, sodass die Kulturen miteinander synchronisiert werden können. "Dies erlaubt dann auch, die Feststellung, dass jener Herrscher mit jenem Pharao zeitgleich regiert haben muss."