Jugendpsychologie

Sexuelle Risikobereitschaft hängt von Freunden ab

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Foto: Joachim Moog / info@helga-lade.de

Ob Sexualverkehr ohne Kondome mit häufigem Partnerwechsel praktiziert wird, hängt bei Jugendlichen wesentlich vom Einfluss Gleichaltriger ab, behaupten Psychologen. Doch Jugendliche suchen Orientierung gerade bei jenen, die so sind wie sie selbst.

US-Forscher haben festgestellt, dass das Sexualverhalten von Jugendlichen ganz wesentlich davon abhängt, wie ihre gleichaltrigen Freunde dazu stehen. Sie suchen sich sogar Freunde, die die gleiche Einstellung haben wie sie selbst, berichtet das Fachmagazin Child Development. Die Studie wurde an 1.350 männlichen und weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren durchgeführt.

Ursprünglich wollte das Forscherteam um den Psychiater David Henry von der University of Chicago eigentlich den Einfluss von Gleichaltrigen auf das Verhalten untersuchen. Die Wissenschaftler wollten bestimmen, inwieweit risikoreiches Verhalten und Handeln von Anderen gelernt oder kopiert wird. Zudem wollten sie auch die Entwicklung von solch risikoreichem Handeln untersuchen. Risikoreiches Sexualverhalten steht demnach in engem Zusammenhang mit dem jeweiligen Freundeskreis.

Jugendliche suchen sich Freunde, die eine ähnliche Einstellung haben wie sie selbst. Als risikoreiches Sexualverhalten wurde Geschlechtsverkehr ohne Kondome mit häufigem Partnerwechsel eingestuft. So verwendeten Jugendliche, deren Freunde beim Sex keine Kondome verwendeten, im darauf folgenden Jahr ebenfalls keine Kondome. Jene, deren Freunde über negative Konsequenzen beim Sex berichteten, waren eher dazu bereit, ihre Einstellung zu ändern. Jugendliche, die glauben, dass Sex auch unerwünschte Folgen haben kann, suchen sich neue Freunde und halten bei den existierenden Freunden an ihrer Einstellung fest.

Der Effekt der Einstellung der Freunde auf das eigene Verhalten war bei Mädchen größer als bei Jungen. "Das Verhalten kann ich mir sehr gut vorstellen", meint die Psychologin und Co-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung, Gerti Senger. "Die Leitfiguren der Jugendlichen sind nämlich nicht die Eltern, sondern Peergroups - also Gruppen Gleichaltriger." Die Haltung dieser Peergroups sei auf jedem Gebiet bemerkbar. "Die Einstellung ist dann auch Impuls zum Handeln in eine gewisse Richtung", meint Senger.

Für Henry zeigt die Studie die große Bedeutung von jugendlichen Leitfiguren und deren Einflussnahme auf andere Gleichaltrige. Einerseits unterstreicht es die Bedeutung des Einsatzes Jugendlicher für die Prävention, andererseits lege es nahe, dass Interventionen, die das Bewusstsein und das Verhalten ändern, bei Mädchen effektiver funktionieren, als bei Burschen. Die Idee des Einsatzes Gleichaltriger sei sehr gut, attestiert Senger. "Allerdings ist dies kaum machbar, da eine reife Persönlichkeit mit 15 Jahren von Peergroups eher als angepasst und langweilig empfunden wird." Für einen solchen Charakter, der gefestigt und stabilisiert ist, sei der Zugang in solche Gruppen schwierig.

"Ähnliche Versuche in der Drogenszene - etwa der Einsatz afrikanischer Streetworker, die einen besseren Zugang zu Landsleuten herstellen können - haben sehr großen Erfolg gezeigt", so Senger abschließend.