Australische Studie

Sarkasmus-Test entlarvt Demenzerkrankung

Australische Wissenschaftler bezeichnen die neuen Erkenntnisse als bahnbrechend: Ein einfacher Sarkasmus-Test könnte künftig teure Diagnoseverfahren einer bestimmten Demenz-Erkrankung erleichtern. Die Betroffenen sind demnach nicht in der Lage, sarkastische Äußerungen als solche zu erkennen.

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Wissenschaftler der Universität von New South Wales fanden heraus, dass an Frontotemporaler Demenz erkrankte Patienten unter 65 Jahren sarkastische Äußerungen nicht als solche erkennen können. John Hodges, Hauptautor der im Fachmagazin „Brain“ erschienenen Studie, erläuterte, diese Erkenntnis könne erklären helfen, warum die Patienten nicht auf die Stimmungen ihrer Betreuer reagierten – was vor allem pflegende Angehörige zur Verzweiflung treibe. Die Studie sei daher „bahnbrechend“.

Die Forschungsergebnisse seien wichtig, „denn wenn Betreuer wütend, traurig oder deprimiert sind, versteht der Patient das nicht“, sagte Hodges: „Für Familienangehörige ist das oft bestürzend.“ Wer unter der auch als Picksche Krankheit bekannten Demenzform leide, zeige Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen. Die Patienten hätten Schwierigkeiten, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, sie verstünden Signale im zwischenmenschlichen Umgang nicht, zeigten kein Mitgefühl und träfen falsche Entscheidungen. So würden die Kranken sehr leichtgläubig und gäben Geld oft leichtfertig aus. Hodges zufolge leidet ein Mensch unter 4000 an der Pickschen Krankheit.


Die Forscher hätten die Reaktion der Patienten auf Sarkasmus vor allem deshalb untersucht, weil hier zwischen Aussage und Tonfall unterschieden werden müsse, erläuterte der Wissenschaftler. Für die Studie wurde in den Jahren 2006 und 2007 die Reaktion von 26 Patienten mit Frontotemporaler Demenz und von 19 Alzheimer-Patienten auf sarkastische Äußerungen untersucht. Dafür inszenierten Schauspieler verschiedene Situationen, in denen sie dieselben Sätze mehrfach sprachen – einmal mit deutlich sarkastischem Unterton, einmal aufrichtig. Anschließend wurden die Patienten gefragt, ob sie den Witz verstanden hätten.

Als Beispiel beschrieb Hodges einen Dialog zwischen einem Ehepaar, das eine Wochenendreise plant. Die Frau schlägt vor, ihre Mutter mitzunehmen – worauf der Mann einmal vor Sarkasmus triefend und einmal ganz neutral antwortet: „Du weißt ja, wie gern ich deine Mutter habe – das wird bestimmt ein tolles Wochenende!“ Während die Alzheimer-Patienten den Sarkasmus verstanden hätten, hätten die Studienteilnehmer mit Frontotemporaler Demenz keinen Unterschied festgestellt, sagte Hodges. Letztere nähmen alles ganz wörtlich und gingen davon aus, dass die Äußerungen ernst gemeint seien. Hodges zufolge könnte der Sarkasmus-Test künftig teurere Diagnoseverfahren ersetzen.