Pheromone

Ein Spray für Sanftmut und Verhütung

Den Duft zu finden, der das menschliche Verhalten steuert, ist ein Traum vieler Forscher. Isoliert, synthetisiert und beispielsweise über Krisengebiete versprüht, könnte dieser Stoff Kämpfer besänftigen. Im heimischen Schlafzimmer könnte er für mehr Lust sorgen – oder als Ersatz für die Pille dienen.

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Vor genau 50 Jahren prägten Peter Karlson und Martin Lüscher den Begriff "Pheromon" für einen solchen Stoff. Sie umschrieben damit "Substanzen, die von einem Individuum nach außen abgegeben werden und bei einem anderen Individuum der gleichen Art spezifische Reaktionen auslösen". Substanzen also, die wundersam und unsichtbar das Verhalten steuern. Adolf Butenandt isolierte das erste Pheromon bei Insekten. Für zwölf Milligramm brauchte er allerdings 500 000 Seidenspinner-Weibchen.

50 Jahre Pheromon-Forschung haben einiges gebracht: Heute weiß man, dass nicht nur Insekten sich mit ihnen verständigen. Auch bei Fischen, Pflanzen, Vögeln, Säugern und Menschen sind diese Stoffe gefunden worden.

Man weiß, dass sie nicht nur die Fortpflanzung steuern, sondern auch als Alarmsystem oder als Markierung von Reviergrenzen funktionieren. Sie sind verantwortlich für die Kastenbildung in Bienen- oder Termitenstaaten.

Heute braucht man dank moderner Technik auch nicht mehr eine halbe Million Insekten, um eines dieser Wundermoleküle zu isolieren. Fakt ist, Pheromone bestimmen das Leben. Fakt ist aber auch: Wie genau sie das tun, ist noch immer ziemlich unklar.

Wie genau Pheromone wirken, ist von Organismus zu Organismus unterschiedlich. Bei einigen Wirbeltieren hat man das Vomeronasal-Organ gefunden, spezialisierte Zellen in der Nasenhöhle, die auf Pheromone reagieren. Auch beim Menschen. Hier ist es allerdings so verkümmert, dass ungewiss ist, ob es überhaupt funktioniert - oder ob doch ein anderes, unbekanntes Empfängerorgan für Duftstoffe existiert. Und so streiten die Forscher, ob der Mensch nicht vielleicht doch zu komplex ist, als dass er sich von simplen Düften beeinflussen ließe.

Immerhin ist bis heute noch kein menschliches Pheromon isoliert worden. Der einzige Kandidat ist eine Substanz des Achselschweißes von Frauen. Über ihn koordinieren Frauen, die in einer engen Gemeinschaft leben, offenbar ihren Zyklus. Noch ist die Empfängnisverhütung per Pheromonspray also eine Vision, die vielleicht in den kommenden 50 Jahren Wirklichkeit wird.