Medizin

Hörtests für Neugeborene

Krankenkassen einigten sich auf die Kostenübernahme der Hörtests für Neugeborene. Diese Tests verhindern, dass Hörschäden zu spät oder gar nicht erkannt werden. Wenn Hörstörungen rechtzeitig diagnostiziert werden, kann den Kindern mit einem Hörgerät geholfen werden. So ist eine normale Sprachentwicklung möglich.

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Hörtests für Neugeborene sollen in Zukunft zu den Pflichtleistungen gesetzlicher Krankenkassen gehören. Mit ihnen lässt sich verhindern, dass Hörschäden zu spät oder gar nicht erkannt werden und so zu Entwicklungsstörungen führen. In Ländern wie Österreich oder den Niederlanden gehören Hörscreenings bereits zum Standardprogramm der Neugeborenenuntersuchung. Auch Fachärzte in Deutschland setzen sich seit Jahren für diese Regelung ein. Nun hat der gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen und Kassenärzte festgelegt, dass die Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aufgenommen werden.

Das Screening erfasst Hörstörungen mit bis zu 98-prozentiger Sicherheit und lässt sich schmerzfrei und unkompliziert durchführen. Werden Hörfehler, an denen etwa zwei von 1000 Neugeborenen leiden, zu spät erkannt, hat das schlimme Folgen, denn Kinder müssen hören können, um sprechen zu lernen. In den ersten Monaten werden die Weichen für eine normale Sprachentwicklung gelegt, die bei den meisten hörgeschädigten Kindern möglich ist, wenn sie rechtzeitig ein Hörgerät erhalten.

Sechs Monate alte Babys kann der Facharzt außerdem mit Implantaten behandeln, die die Innenohrfunktion ersetzen. In diesem Alter gibt es sehr gute Behandlungserfolge. Erwachsenen aber, die niemals richtig sprechen gelernt haben, hilft ein Implantat nicht mehr. In der Vergangenheit wurde oft das Zeitfenster für den optimalen Behandlungserfolg verpasst und damit eine wichtige Chance vertan.

Mit zwei Methoden lassen sich die Fähigkeiten des Säuglingsohres überprüfen, am besten in den ersten Tagen nach der Geburt. Zum einen sind die "otoakustischen Emissionen" messbar, eine Art Echo, das Sinnenszellen im Ohr aussenden, wenn sie akustische Reize aufnehmen. Die Emissionen sind ein Richtwert für ihre Funktionstüchtigkeit. Und mit der Hirnstammaudiometrie kann der Arzt die Ströme vom Ohr zum Gehirn erfassen und somit auch die Weiterleitung von akustischen Signalen.

Der neue Beschluss verpflichtet Eltern nicht zu den Tests, empfiehlt sie aber dringend.