Gesundheit

Na, auch vom Job gestresst?

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Arbeiten bis zum Umfallen: Stress im Job galt bis vor wenigen Jahren als reine Managerkrankheit. Doch heute trifft das Phänomen, das die Amerikaner Hurry-Sickness nennen, große Teile der arbeitenden Bevölkerung. Grund: Die Arbeitenden müssen schaffen, wofür früher viel mehr Personal vorgesehen war.

Halb fünf in der Früh. Harald Klein liegt im Bett, hellwach. Habe ich gestern noch die Mail vom Kunden beantwortet? Ist das Fax verschickt? Werde ich das alles morgen schaffen? Das Herz rast, Klein schwitzt. Zwei Stunden später bimmelt der Wecker. Ab unter die Dusche, Wurst aufs Brot, zum Bus rennen.

Der Computer im Büro zeigt 73 neue Mails an, die Mailbox fünf Nachrichten. Meetings stehen an. Am Abend ein romantisches Candle-Light-Dinner mit der Partnerin? Geht nicht. Klein ist nur noch müde.

Hurry-Sickness, so nennen die Amerikaner das Phänomen, die „Hetzkrankheit“. Etwa die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung hat bei einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation angegeben, von ihrer Arbeit gestresst zu sein. Arbeitsverdichtung – so heißt der Trend im Erwerbsleben. Während der Wirtschaftskrise haben viele Unternehmen Personal abgebaut und offene Stellen nicht wieder besetzt. Nun zieht die Wirtschaft wieder an – und die Arbeitenden müssen schaffen, wofür früher viel mehr Personal vorgesehen war.

„Stress im Job war mal eine Managerkrankheit, heute trifft es alle“, sagt Lothar Seiwert, Wirtschaftsexperte, Zeitplanpapst, Guru und Coach aller Zeitlosen. „90 Prozent aller Menschen wollen zu viel auf einmal machen.“ Etwa 300.000 Menschen hat er in seinen Seminaren und Vorträgen trainiert. Der promovierte Wirtschaftsexperte hat etliche Bücher zum Thema geschrieben: „Don't hurry, be happy“, „Simplify your life“ oder „Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam“. Die Titel sind Programm, aber keine Anleitung zum Faulsein. „Gerade weil der arbeitende Mensch heute so unter Druck steht, ist es wichtig, Momente der Ruhe in den Tagesablauf einzuplanen.“

Auch wenn Kunden, Chefs und Kollegen suggerieren mögen, alles sei sofort fällig, empfiehlt Seiwert nicht in Hektik zu verfallen, sondern kurz inne zu halten: Was ist das Wichtigste? Das sollte zuerst gemacht werden. Für den Rest gilt: in der Reihenfolge seiner Dringlichkeit erledigen, an Kollegen delegieren oder ab in den Müll. Dabei hilft die 30-Sekunden-Regel. Entscheiden Sie innerhalb von 30 Sekunden, in welche Kategorie die Aufgabe fällt.

Auch wichtig: Ordnung halten. Ein schriftlich geführtes Zeitplanbuch hilft. Dort sollten unerledigte und neue Aufgaben, Termine und Korrespondenzen stehen. Trotzdem sollten nur 60 Prozent der Arbeitszeit verplant sein. Ein randvoller Arbeitsplan führt zu Frust, wenn etwas liegen bleibt. Seiwert: „Etwa ein Fünftel des Tages geht für unerwartete Ereignisse drauf, ein weiteres muss für spontane Aktivitäten eingeplant werden.“ Übrigens: Das Essen mit der Partnerin darf ruhig auch im Zeitplanbuch stehen, wenn es sonst immer wieder von der Agenda verschwindet.