Social Media

Google greift jetzt Twitter und Facebook an

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Jürgen Stüber

Mit einem neuen Programm will der Internetkonzern Google zukünftig Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter Konkurrenz machen. Google Buzz erlaubt es, Status-Updates und andere Inhalte mit Freunden zu teilen. Das Unternehmen reagiert damit auf Versuche von Facebook, in Google-Domänen einzudringen.

Der Internetkonzern Google greift Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter an. Das Unternehmen hat Einzelheiten zu dem neuen Feature Google Buzz vorgestellt, das ein neues Feature des Mailprogramms G-Mail ist und es erlaubt, Status-Updates und andere Inhalte mit Freunden zu teilen. Google reagiert damit insbesondere auf Versuche des Sozialen Netzwerks Facebook, ins Nachrichten- und Mail-Geschäft einzusteigen und den Upload von Fotos zu vereinfachen. Diese Gebiete gelten als Google-Domänen.

Bislang können die 142 Millionen Nutzer Statusmeldungen nur per Google Talk senden – und das auch nur an einen Adressaten. Das ist ein erheblicher Nachteil gegenüber sozialen Netzwerken. Wie das amerikanische Wirtschaftsblatt „Wall Street Journal“ bereits am Montag meldete, soll der neue Google-Dienst eine Timeline-Ansicht für Status-Updates von Freunden bieten. Dem Bericht zufolge sollen die Videoplattform YouTube und die Bilddatenbank Picasa in das neue Angebot integriert werden.

Jetzt wurde bekannt, dass Nutzer zwischen privaten und öffentlichen Nachrichten wählen können. Zudem sei es möglich, den Dienst an mobilen Geräten zu nutzen. Die Anwendung kann mit anderen mobilen Programmen wie Lokalisierungsdiensten, Maps und Sprachsteuerung interagieren. Ein "Nearby“-Button soll es erlauben, Freunde in der Nähe zu finden.

Das Social Media Blog mashable.com rätselte bereits, ob wohl auch an den Nutzer gerichtete Meldungen von Twitter und Facebook in der neuen Google-Timeline zu sehen sein würden. Zumindest für Twitter und die Bilddatenbanken Picasa und Flickr ist das der Fall. Damit wird das neue Google-Feature zu einem Client wie Tweetdeck oder Seesmic werden.

Google dringt mit dem neuen Angebot in die Geschäftsfelder der Netzwerke ein, die aber ihrerseits auch in den Gebieten des Suchmaschinenkonzerns wildern. So wurden kürzlich Pläne von Facebook ruchbar, einen eigenen Mail-Service aufzubauen und sich damit der kompletten Online-Identitäten seiner 400 Millionen Nutzer zu bemächtigen. Dass Facebook die News-Funktion des Suchmaschinenkonzerns als Traffic-Generator für Nachrichtenportale längst abgehängt hat, wurde Anfang der Woche bekannt. Facebook ist nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Experian Hitwise inzwischen viertgrößter Newsreader nach den Suchmaschinenseiten Google, Yahoo und MSN.

Bereits bekannt ist der Facebook-Plan, den Upload von Fotos zu vereinfachen. Das könnte als Attacke auf Googles Picasa-Plattform gesehen werden. Monatlich werden 2,5 Milliarden Bilder in Facebook-Profile geladen, wobei Anwender dafür eine oft sehr instabile Software nutzen müssen. Das soll sich nun ändern. Nach der Installation eines Plug-in öffnet sich künftig der zweigeteilte Foto-Uploader: oben die Ordner-Ansicht des eigenen Computers, unten das Mosaik der zum Upload angebotenen Fotos. Neu ist auch, dass diese Software im Hintergrund abläuft.

Trotz allen Gerangels um Anteile am E-Mail-Markt stellt sich die Frage, ob die traditionelle E-Mail nicht längst den Zenit ihrer Bedeutung überschritten und an Terrain an Soziale Netzwerke verloren haben. So sagte jetzt das Marktforschungsunternehmen Gartner voraus, dass schon im Jahr 2014 ein Fünftel aller geschäftlichen Anwender mit Social Media Services statt mit E-Mail kommunizieren werden. Diese seien effektiver als die alte E-Mail. So würden Status Updates verstärkt für geschäftliche Informationen genutzt, heißt es in Gartners „Social Software Voraussagen für 2010 und später“. „Die starre Trennung zwischen E-Mail und Social Media wird erodieren“, sagt Gartner-Vizepräsident Matt Cain. „E-Mail wird viele soziale Attribute erhalten und Social Media eine reichere E-Mail-Funktionalität.“