Innovation

Radio kann man demnächst auch sehen

Demnächst kann man Radio auch gucken. Mit dem Handy, dem PDA oder dem Autoradio mit Videoübertragungstechnik kann man künftig während des Musikhörens auch Bilder auf dem Display sehen oder den Text des Stückes einblenden lassen. Neben einem kostenfreien Basisdienst kann der Hörer Zusatzdienste erkaufen.

Foto: rh / C3523_Farnsworth

Demnächst soll man Radio gucken können. Wer ein Handy, einen PDA oder ein Autoradio mit digitaler Videoübertragungstechnik sein Eigen nennt, kann dann Radio hören und sich gleichzeitig auf dem Display seines Gerätes Bilder ansehen, beispielsweise das CD-Cover zur gerade gehörten Musik oder Aufnahmen des Radiomoderators und seiner Studiogäste. Oder er kann auf dem Display den Text des gerade laufenden Musikstückes zum Mitsingen einblenden lassen - mobiles Radio mit Karaoke.

Das Bilderradio basiert auf der technischen Norm DVB-H (Digital Video Broadcasting-Handheld), gemeinhin Handy-TV genannt. Es kann im Prinzip aber auch mit dem Mobilfunkstandard UMTS oder dem digitalen Radiosystem T-DMB (Terrestrisches Digital Multimedia Broadcast), das auf DAB basiert, betrieben werden.

Die Bilder sind in dem bei Handys und PDAs gängigen Format 360 mal 240 Pixel zu sehen. Alle zwei Sekunden wechselt die Anzeige. Die Signale dazu liefert der Radiosender, sie werden von einem Dienstleister codiert und dem Radiosignal "beigemischt". Bilderradio gelangt im "Broadcast-Modus" zum Konsumenten, sagt Ralf Schäfer vom Berliner Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut, HHI). Die Bilder werden also zentral ausgestrahlt, der Nutzer muss sie nicht individuell anfordern. Je nach Geschäftsmodell wird ein Bilderradio-Basisdienst wohl kostenfrei zu empfangen sein, denkbar sei aber auch, dass zusätzliche Dienste mit einem kleinen monatlichen Obolus hinzugekauft werden können.

Ein Pilotprojekt des HHI, des Radiosenders Motor FM und weiterer Kooperationspartner ist im Gange. Die technischen Probleme sind gelöst. Doch noch ist es nicht so weit, weil das Bilderradio in Verbindung mit dem Handy-TV steht. Und das kommt nicht in Schwung. Derzeit herrscht dort ein Kampf der Diensteanbieter. Die einen setzen mit Mobile 3.0 auf die Norm DVB-H, die Konkurrenz auf DVB-T, das aber nicht die gleichen robusten Empfangseigenschaften bietet. Ganz anders in Italien, Österreich, Tschechien, Polen und sogar Albanien, aber vor allen Dingen in asiatischen Ländern wie Japan, Korea und China. Dort läuft Handy-TV schon, sagt Ralf Schäfer, und es wird auch gut angenommen.