Psychologie

Wie Amokäufer erkannt werden können

Amokläufer folgen bestimmten Mustern. Dazu zählt beispielsweise das Phänomen des "Leaking". Erkenntnisse aus den USA sind größtenteils auf Deutschland übertragbar.

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Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt arbeiten an einer Methode zur Früherkennung potenzieller Amokläufer an Schulen. „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, das immer wieder identische Muster und entsprechende Frühwarnsignale bei potenziellen Amokläufern erkennbar sind“, sagte Projektleiter Jens Hoffmann am Dienstag. Auch der Fall des Amoklaufes an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten passe in diese Muster.

„Der Täter zeigte beispielsweise das Phänomen des ’Leaking’, bei dem Informationen über eine innere Beschäftigung mit einer Gewalttat nach außen dringen“, erklärte Hoffman von der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt. So habe er bereits 2004 in einem Internetforum geäußert, dass er einen Amoklauf als prinzipiellen Ausweg aus seiner Krise sieht.

Der junge Mann habe sich auf seiner Homepage sichtbar mit anderen Gewalttätern identifiziert, Hass gegen Lehrer und Mitschüler geäußert. Mit dem bevorstehenden Prozess wegen unerlaubten Waffenbesitzes habe es dann einen letzten Auslöser gegeben, fügte Hoffmann hinzu.

Zielgerichtete Gewalttaten und Amok an Schulen ließen sich prinzipiell bereits vorher erkennen, erklärte Hoffmann weiter. Die Darmstädter Studie zeige auch, dass sich Erkenntnisse von Amokläufen in den USA in weiten Teilen auf Deutschland übertragen ließen.

Das von Hoffmann eingesetzte Modell zur Risikoeinschätzung und zum Fallmanagement bei zielgerichteter Gewalt und Amok an Schulen werde bereits von einigen schulpsychologischen Diensten und Polizeistellen in der Praxis eingesetzt, heißt es in einer Mitteilung der TU Darmstadt.

„Diese schrecklichen Taten junger Menschen stellen den Endpunkt eines Weges zur Gewalt dar, der immer von Warnsignalen begleitet ist und dessen einzelne Schritte in sich logisch sind“, erläuterte Hoffmann. „Denn zielgerichtete Gewalttaten und Amokläufe sind aus Sicht des Täters ein letzter Ausweg aus einer Krise, für die er keine anderen Lösungsmöglichkeiten mehr hat.“