Cebit 2010

Die Bundeskanzlerin geht auf Hightech-Bummel

Angela Merkel sorgt zum Start der Computermesse Cebit 2010 für Andrang. Sie setzt sich bei SAP eine Datenbrille auf und lässt sich von Telekom-Chef René Obermann dessen Lieblingsthema zeigen. Auf der weltgrößten Branchenmesse sind 300 neue Aussteller dabei – darunter Google und Amazon.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Die neusten Geräte in Sachen dreidiemnsionaler Technik werden derzeit auf der weltgrößten Computermesse Cebit zur Schau gestellt. Um dreidimensionale Bilder hautnah erleben zu können, benötigt man laut einigen Ausstellern nicht mal mehr die klassische 3D-Brille.

Video: reuters
Beschreibung anzeigen

Sichtkontakt? Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht die Augenbrauen hoch, als sie das Wort hört. Kurz vor Ende ihres traditionellen Messerundgangs auf der Hightech-Leistungsschau Cebit in Hannover horcht die Regierungschefin noch einmal am Stand des Unternehmens Lancom auf. Die technischen Ausführungen bestätigt sie mit andauerndem Nicken. So wie auch der spanische Ministerpräsidenten José Luis Zapatero, der in Hannover das Partnerland der Cebit repräsentiert.

Nach mehr als einem Dutzend Standbesuchen ist die Kanzlerin erschöpft. In einer Art Speed Dating hat jedes der mehr als ein Dutzend besuchten Unternehmen fünf Minuten Zeit, das Wichtigste auf den Punkt zu bringen. Sie saß im „digitalen Klassenzimmer“ bei Microsoft und war per Internet-Videokonferenz mit Schülern in der spanischen Hauptstadt verbunden.

Sie setzte sich bei SAP eine Datenbrille auf und ließ sich von Telekom-Chef René Obermann sein Lieblingsthema „intelligente Netze“ zeigen. Gern würde sie einmal in der T-City in Friedrichshafen vorbeischauen, wo die Telekom die Technik in der Anwendung darstellt.

Doch Technologien, die unterversorgte Regionen in Deutschland mit schnellen Online-Zugängen beglücken, wecken immer noch ihre Aufmerksamkeit. Aber Sichtkontakt für drahtloses Internet? „Es zeigt sich, dass immer mehr die Anwendungen für die Kunden im Vordergrund stehen und nicht so sehr die Hardware“, wird sie nach ihrem zweieinhalbstündigen Spaziergang als Fazit sagen. Und bevor sie in ihrer Limousine verschwindet: „Die Durchdringung des gesamten Lebens mit Informations- und Kommunikationstechnologie wird sicherlich unsere nächsten Jahre prägen.“ Von den einst so beliebten neuen Geräten, die früher auf der Cebit präsentiert wurden, ist heute kaum noch etwas zu sehen.

Mit einem Tross von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten hat die Kanzlerin auf der Cebit einigen Ausstellern einen ersten Ansturm beschert. Für viele mag es auch der letzte in diesem Jahr gewesen sein. Tatsächlich startete der erste Cebit-Tag verhalten. Schlangen an den Eintrittstoren und zähe Staus auf den Zufahrtstraßen gehören inzwischen der Vergangenheit an. Die Zeit scheint an der Cebit zu nagen. Fachmessen wie der Mobile World Congress in Barcelona, die CES in Las Vegas und die Internationale Funkausstellung IFA in Berlin stehlen der Grande Dame der Computerwelt immer mehr die Schau.

Doch Hannover müht sich redlich. Immerhin: Nach einem dramatischen Einbruch bei den Ausstellerzahlen im letzten Jahr konnte der Schrumpfkurs in diesem Jahr fast gestoppt werden.

Erstmalig sind sogar Google und Amazon auf die Messe gekommen. Und nie wurde mehr über Internet-Politik und Datenschutz diskutiert, wie in diesem Jahr in Hannover. Sogar die Musikindustrie springt der Cebit mit einer eigenen Ausstellung bei.

Ein wenig verdutzt verfolgten 2000 Gäste die Eröffnungsveranstaltung am Montagabend im Kuppelsaal des Congress Centrums in Hannover. Kurzerhand und ein wenig forsch übernahm der Co-CEO von SAP, Bill McDermott, in seiner amerikanischen Art („We can and we will“) die Initiative und ließ am Ende der Veranstaltung weder Merkel, Zapatero, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff noch Bitkom-Chef August-Wilhelm Scheer abschließend zu Wort kommen. Zum Glück hatte die Kanzlerin die Cebit schon für eröffnet erklärt.

Interessiert lassen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero von einem Schüler im „digitalen Klassenzimmer“ die Software erklären. Doch die Technik auf der weltgrößten Computermesse muss nicht unbedingt immer nützlich sein: Fußball spielende Roboter vertreiben Messegästen die Zeit.