Psychologie

Wer Tim heißt, ist ein schmächtiger Mensch

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Foto: fd / CTK/epa

Warum sehen Menschen wie ihre Namen aus? Amerikanische Psychologen haben jetzt eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht: Für viele Menschen ist ein Name mit einem bestimmten Aussehen verbunden. Einen "Tim" stellt man sich eher dünn, einen "Bob" eher dick vor.

Frischgebackene Eltern kennen das: Sie diskutieren wochenlang verschiedene Namen für das Kind und einigen sich endlich. Ist das Kind endlich da, so „passt“ der Name plötzlich nicht. Der Junge sollte „Henry“ heißen, aber er sah einfach nicht aus wie ein „Henry“. Außenstehende denken nur: So ein Quatsch! Wie, bitte schön, sieht ein Henry aus? Doch ein Psychologenteam der Miami University hat jetzt festgestellt, dass für viele Menschen ein Name mit einem bestimmten Aussehen verbunden ist. Wenn Name und Äußeres „stimmig“ sind, so die Psychologen im „Psychonomic Bulletin & Review“, kann man sich den Namen eines Menschen auch besser merken.

Das Team um Robin Thomas von der Miami University ließ Versuchspersonen zu 15 männlichen Vornamen Porträts erstellen. Sie bekamen dazu eine Polizeisoftware für Phantombilder an die Hand. Eine weitere Gruppe von Versuchspersonen sollte dann die Stimmigkeit der Bild-Namen-Paare beurteilen. Am häufigsten waren sich die Versuchspersonen einig bei den Porträts zu den Namen Bob, Bill, Brian und Jason.

Daraufhin testeten die Forscher, wie gut sich die Versuchsteilnehmer an die Namen zu den Porträts erinnerten. Es zeigte sich, dass mit der „Stimmigkeit“ von Name und Äußerem auch der Name besser im Gedächtnis behalten wurde.

Die Forscher haben bisher nur Vermutungen, wie es zu der Verbindung von Vornamen zu einem bestimmten Aussehen kommt: Manche Namen, wie etwa Bob, haben einen vollen, runden Klang. Da stellt man sich auch eher jemanden mit einem eher runden Gesicht vor. Einen „Tim“ dagegen stellt man sich eher schmächtig vor. Im englischen Sprachraum gibt es ja auch das ähnlich lautende Adjektiv „thin“ für „dünn“.

Die Psychologen wollen nun der Frage nachgehen, ob die Gesichtswahrnehmung beeinflusst werden kann durch eine vorgefertigte Gesicht-Name-Vorstellung. „Werden Sie das Gesicht einer Person, die Ihnen als Bob vorgestellt wird, runder wahrnehmen, als es tatsächlich ist?“, so die Forscherin. „Diese Arten der Wirkung von Kategorienzuschreibung werden relevant für Forscher in der Kognitions- und der Sozialpsychologie, denn ihre Existenz legt nahe, dass wir nicht in der Lage sind zu sehen, was tatsächlich da ist, sondern immer beeinflusst werden von dem, was wir erwarten zu sehen.“