Crysis

Raubkopierer erlegen deutschen Ballerspiel-Hit

Es ist die teuerste deutsche Spieleproduktion aller Zeiten: Das Ballerspiel Crysis vom Frankfurter Studio Crytek verschlang 16 Millionen Euro, heimste weltweit Auszeichnungen ein und begeisterte Millionen Fans. Doch die Verkaufszahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Schuld daran sind offenbar Raubkopierer.


Der Weg zum Erfolg schien für Crysis geebnet: Als das Ballerspiel vergangenen November auf den Markt kam, hatte es weltweit bereits mehr als 60 Titelseiten von Fachmagazinen geschmückt – Rekord. Mit mehr als 16 Millionen Euro war es die teuerste deutsche Produktion aller Zeiten. Und die Kritiker waren begeistert. Laut dem Branchendienst „Metacritic“ erhielt Crysis eine durchschnittliche Wertung von 91 Punkten, auf einer Skala bis 100. Der Frankfurter Hersteller Crytek machte sich Hoffnungen auf einen riesigen kommerziellen Erfolg. Doch der ist weitgehend ausgeblieben.

Laut Zahlen des Marktbeobachters Media Control hat sich das PC-Spiel in Deutschland nur rund 140.000 Mal verkauft. „Das hat unseren Erwartungen nicht entsprochen“, sagt Martin Lorber, Sprecher beim Verleger und Brachenriesen Electronic Arts (EA). Top-Titel für den PC wie das Strategiespiel Anno hatten sich in den vergangenen Jahren in Deutschland knapp 500.000 Mal verkauft.


Weltweit konnten Electronic Arts und Crytek zwar mehr als eine Million Exemplare zu Preisen zwischen 40 und 55 Euro absetzen. Das nannte EA in einer Investorenkonferenz „erfolgreich“. Allerdings ist wohl auch diese Zahl meilenweit von den gehegten Hoffnungen entfernt. Zum einen, weil ein großer Teil der Umsätze mit Händlern geteilt wird. Zum anderen, weil sich der Crysis-Vorgänger „Far Cry“ mehr als drei Millionen Mal verkauft hatte. Und die Genre-Referenz „Half Life 2“ rund acht Millionen Mal.

Schuld am Beinahe-Flop sind offenbar die Raubkopierer

Die Schuldigen für die durchwachsenen Crysis-Verkaufszahlen sind indes schon ausgemacht: Raubkopierer. Nach Informationen von Morgenpost Online hadern Electronic Arts und Crytek mit dem schlechten Kopierschutz von Crysis und einer undichten Stelle im Vertrieb. Folge: Crysis hatte sich bereits eine Woche vor dem Verkaufsstart rasend schnell über das Internet verbreitet. Ein Grund dafür war wohl auch das perfekte Marketing: Kaum ein Fan wollte auf den offiziellen Verkaufstermin warten.

Selbst heute noch, ein halbes Jahr später, tummeln sich unzählige illegale Versionen von Crysis im Netz. Unter dem Dateinamen „Crysis-Razor1911“ bieten Zehntausende Raubkopierer das Spiel als sogenannten Torrent-Download an. Das bedeutet: Wer es herunterlädt, stellt es gleichzeitig auch anderen zur Verfügung. Intern rechnet das Frankfurter Studio damit, dass auf jedes verkaufte Spiel mindestens zehn Raubkopien gekommen sind. Beobachter kritisieren aber auch Managementfehler von Electronic Arts und Crytek.

So gilt Crysis derzeit als das PC-Spiel mit den höchsten Anforderungen an die Hardware. „Man benötigt ein absolutes High-End-System, um das Spiel bestmöglich laufen zu lassen“, urteilt etwa das US-Fachmagazin Gamespot.com. Ein solches System kostet bis zu 4000 Euro – und versperrt den Weg zum Massenmarkt. Wer Crysis nicht in einer anständigen Qualität spielen kann, kauft es nicht.

In der Kritik stehen die Frankfurter auch, weil sie keine Konsolenfassung des Spiels angefertigt haben. Praktisch alle wichtigen Spiele werden heute aber für Xbox 360, Playstation 3 und PC gleichzeitig produziert – um möglichst viele Spieler zu erreichen und die Entwicklungskosten besser zu verteilen. Zudem gibt es auf Konsolen praktisch keine Raubkopien. Nun gibt sich Crytek geläutert: „Wir erwägen, künftig Produkte auf den Konsolen raus zu bringen, da hier die Raubkopien wesentlich geringer sind und der wirtschaftliche Erfolg größer als bei PC-Spielen ist“, sagte ein Sprecher Morgenpost Online. Möglicherweise werde man Crysis noch nachträglich für Spielekonsolen veröffentlichen.

Immerhin: Sorgen um die Zukunft von Crytek müssen sich Spielefans nicht machen. Das Unternehmen versichert, dass Crysis die Produktionskosten wieder eingespielt hat. Nach den Millioneneinnahmen aus dem Bestseller Far Cry (2003) ist das Unternehmen sowieso mit einem guten finanziellen Polster ausgestattet. „Einen Flop könnten wir heute besser verkraften als früher“, hatte Crytek-Chef Avni Yerli vor dem Crysis-Verkaufsstart gesagt.

Derzeit arbeitet das Frankfurter Studio an mindestens zwei weiteren Projekten. Die sind zwar noch geheim. Fest steht aber: Die PC-Versionen sollen einen besseren Kopierschutz erhalten.