USA

Apple-Chef Steve Jobs ist wieder da – mit iTunes 9

Apple-Chef Steve Jobs ist erstmals seit einem halben Jahr wieder öffentlich aufgetreten und hat damit Freude bei Fans und Investoren ausgelöst. Bei der Präsentation neuer Produkte erschien Jobs wie üblich mit Jeans und schwarzem Rollkragenpullover – und sprach auch über seine Lebertransplantation.

Foto: AFP

Kommt er, oder kommt er nicht? Vor allem diese Frage interessierte die Apple-Gemeinde bei dem mit „It’s only rock and roll, but we like it“ überschriebenen Event des Computerkonzerns in San Francisco. Die Antwort: Er war da. Wie gewohnt – in Jeans und im schwarzen Pullover.

Unklar war bis zuletzt, ob Apple-Chef Steve Jobs nach seiner schweren Erkrankung erstmals wieder in der Öffentlichkeit erscheinen würde. Während seiner halbjährigen Auszeit, in der Jobs eine neue Leber implantiert wurde, hatte Marketing-Chef Phil Schiller durch die Veranstaltungen von Apple geführt. Jobs war zuletzt bei der Markteinführung der neuen Laptop-Generation „MacBook“ im Oktober 2008 vor großem Publikum aufgetreten.

Er sprach am Mittwoch auch seine Operation an und erklärte, er habe die Leber eines 20 Jahre alten Mannes erhalten, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei.

Jobs forderte die Zuhörer auf, auch zu Organspendern zu werden. „Ohne eine solche Großzügigkeit wäre ich nicht hier“, sagte Jobs, der hager wirkte und mit schwacher Stimme sprach.

Im Vorfeld war es wieder weltweit zu wilden Spekulationen über das gekommen, was wohl auf der Bühne in San Francisco präsentiert werden würde. Kurz vor der Veranstaltung machte die Nachricht über ein iPhone die Runde, das High-Definition-Video wiedergeben könne – ausgelöst durch eine Mitteilung des HiFi-Spezialisten Harman Kardon, der eine neue Docking-Station anbietet.

Steve Jobs kündigte das Betriebssystem OS 3.1 für das iPhone und den iPod-Touch an. Neu ist die von iTunes bekannte Funktion Genius, die Empfehlungen zur gerade laufenden Musik anbietet. Genius soll künftig auch Applikationen finden, die den bereits installierten ähnlich sind.

Auch der Online-Store iTunes, aus dem bereits 8,5 Milliarden Lieder von insgesamt 100 Millionen Usern heruntergeladen wurden, erhält ein Update: iTunes9. Die Synchronisation von Musik, Video und Bildern soll einfacher werden. Künftig sollen einzelne Playlists oder nur Lieder eines Interpreten synchronisiert werden können.

Auch die Programme fürs iPhone lassen sich in iTunes 9 verwalten und beim Kopierschutz schaltet Apple einen Gang zurück: Downloads sollen auf bis zu fünf Computern verfügbar sein.

Apple hat bereits 220 Millionen der Musikspieler verkauft und damit weltweit einen Marktanteil von 73,8 Prozent erreicht – darunter 20 Millionen iPod Touch mit Touchscreen und Wifi. Auch auf dem Spielesektor lässt die Marke die Konkurrenz hinter sich. 21.178 Spiele und Unterhaltungstitel sind im App Store verfügbar – weit mehr als bei Nintendo und Sony Playstation. Beispielsweise soll Assassin Creed II auch als iPhone-App angeboten werden.

Der Preis des iPod Touch soll in den USA um 30 Dollar auf 199 Dollar sinken, kündigte Phil Schiller an. Und er soll eine schnellere Grafik erhalten und den Standard Open GL für Computerspiele unterstützen. Vom iPod Classic soll es eine dünne Version mit einer 160-Gigabyte-Festplatte zum Preis von 249 Dollar geben. Für den kleinen iPod Shuffle (59 Dollar für 2 GB, 79 Dollar für 4 GB) soll es Köpfhörer mit integriertem Controller für den Spieler und eine Sprachausgabe für den Batteriestand geben.

Nanos gibt es künftig mit größerem 2,2-Inch-Display, Videokamera, Lautsprecher und Schrittzähler. Mit einem Klick können die Videos auf YouTube geladen werden. Der Preis liegt bei 149 Dollar (8 GB) und 179 Dollar (16 Gigabyte).

Die Aktien von Apple legten dank Jobs Auftritt zunächst rund ein Prozent auf 174,47 Dollar zu – den höchsten Stand seit über einem Jahr. Später gaben die Titel die Gewinne jedoch wieder ab.

Spekulationen über den Gesundheitszustand von Jobs hatten die Aktien des Konzern bereits mehrfach bewegt. Apple wird wie kaum ein anderes Unternehmen mit der Person seines Vorstandsvorsitzenden identifiziert.

Er krempelte den einst reinen Computerhersteller zu einem breit aufgestellten Elektronikkonzern um und brachte den Musikspieler iPod sowie das Multimedia-Handy iPhone auf den Markt. Beide wurden zu Verkaufsschlagern und machten aus Apple eine Kultmarke.

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