Gesundheit

Giftcocktail im Blumenstrauß

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Giftnotrufzentrale: Wer zum Valentinstag Rosen verschenkt, sollte das Händewaschen nicht vergessen - denn ein Großteil der in Deutschland gehandelten Blumen ist mit hochgiftigen Chemikalien behandelt worden.

Foto: js_rf / gms

Daran denken die meisten wohl zuletzt, wenn sie einen Strauß duftender Rosen kaufen: Ehe die Blumen den Käufer erreichen, sind sie oftmals mit potenziell tödlichen Chemikalien behandelt worden –, um sie gegen Ungeziefer resistent zu machen oder lange frisch aussehen zu lassen.

Anlass für Warnung ist eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Demnach enthielten fast alle getesteten Rosen Rückstände von Pestiziden, darunter hochgiftige und krebserzeugende Stoffe.

Ein Großteil der in Deutschland gehandelten Blumen kommt nach Angaben von Klaus-Peter Gussfeld vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Baden-Württemberg aus Afrika und Südamerika.

In Kolumbien findet die Giftbehandlung zumeist in den Anbaugebieten um die Hauptstadt Bogotá herum statt. Das Land hat nach den Niederlanden die zweitgrößte Schnittblumenindustrie in der Welt. 62 Prozent der dort angebauten Blumen werden in die USA exportiert. Mit 110.000 Beschäftigten – viele von ihnen allein stehende Mütter – und einem jährlichen Exportvolumen von 771 Millionen Euro ist die Blumenindustrie eine Alternative zum Kokaanbau.

Diese Gewinne gehen nach Angaben von Verbraucherschützern aber wegen eines allzu großzügigen Einsatzes von Pestiziden zu Lasten der Gesundheit der Beschäftigten und der Umwelt.

Die Blumenexporteure des Landes haben als Reaktion den Verband Florverde gegründet, um die Sicherheitsstandards und Arbeitsbedingungen in der Branche zu verbessern. 86 der 200 organisierten Exportbetriebe sind bereits nach entsprechenden Maßnahmen zertifiziert worden.

Die Mitgliedsbetriebe von Floverde haben den Einsatz von Pestiziden seit 1998 um 38 Prozent auf 97 Kilo pro Hektar jährlich verringert, so der Direktor von Florverde, Juan Carlos Isaza. Er räumt allerdings ein, dass noch 36 Prozent der von Floverde-Betrieben verwendeten Substanzen von der WHO als äußerst oder hochgiftig eingestuft werden.

Wissenschaftler fanden jedoch Besorgnis erregende Daten: Die Harvard School of Public Health untersuchte 72 Kinder im Alter von sieben und acht Jahren in einem Blumenanbaugebiet in Ecuador, deren Mütter während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt waren. Bei Eignungstests wiesen die untersuchten Kinder Verzögerungen in ihrer Entwicklung um bis zu vier Jahre auf. „Wir haben festgestellt, dass diese Pestizide gefährlicher sind als wir jemals dachten“, sagte Projektleiter Philippe Grandjean.