Schlaf

Alpträume lassen sich bändigen

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Schlechte Träume können die Nacht zum Horrortrip machen. Nach einer Scheidung oder schlimmen Erlebnissen verarbeitet das Gehirn viele Emotionen im Schlaf. Oft sorgt aber auch nur der tägliche Stress fürs Kopf-Kino. Doch die Quälgeister lassen sich laut Experten in den Griff bekommen.

Von einem Mörder gejagt werden oder ins Bodenlose fallen – schlechte Träume können die Nacht zum Horrortrip machen. In Studien geben fünf Prozent der Befragten an, regelmäßig unter Alpträumen zu leiden, weiß der Traumforscher Michael Schredl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Doch die Quälgeister lassen sich laut Experten in den Griff bekommen.

Träume erlebt jeder, und zwar jede Nacht: Während wir friedlich schlummern, wechseln Tiefschlafphasen mit REM-Phasen („Rapid Eye Movements“). In diesen Phasen, die etwa 3 bis 20 Minuten andauern, träumen wir besonders intensiv. „Per Definition sind Alpträume REM-Träume, in denen die Emotionen so stark werden, dass sie zum Erwachen führen“, erläutert Schredl.

Besonders häufig entstehen Alpträume nach belastenden Lebenssituationen, sagt Katrin Pilz, Schlafmedizinerin an den DRK-Kliniken in Berlin. Nach einer Scheidung oder schlimmen Erlebnissen verarbeitet das Gehirn viele Emotionen im Schlaf. „Betroffene mit wiederkehrenden Alpträumen sollten überlegen, wo die Ursache liegt.“

Oft sorgt aber auch nur der tägliche Stress fürs Kopf-Kino: „Schichtarbeit, Probleme in der Familie oder am Arbeitsplatz können Auslöser für Alpträume sein“, sagt Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin. Eine andere Ursache für Alpträume können Atmungsstörungen sein. „Die Alarmreaktion im Gehirn führt zu einer kurzfristigen Weckreaktion, nach der wieder normal geatmet werden kann“, erklärt Schredl. Erfolgt dieses Aufwachen in einer REM-Phase, in der gerade ein negativer Traum stattfindet, erinnern sich die Betroffenen daran.

Doch wann werden Alpträume zum Gesundheitsrisiko? „Nicht, wenn sie nur alle paar Wochen auftauchen“, gibt Pilz Entwarnung. Werden sie allerdings zum nächtlichen Dauerschreck, kann das problematisch sein: „Die Störung des REM-Schlafes führt zu nichterholsamem Schlaf. Insbesondere leidet darunter die psychische Leistungsfähigkeit am Tag“, so Fietze. Die Folge sind Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen, verminderte Lernfähigkeit und Geschicklichkeit. „Alpträume belasten aber durch den Weckreiz und das erschreckte Aufwachen auch das Herzkreislaufsystem.“

Wer regelmäßig unter Alpträumen leidet, kann vorbeugen. „Hilfreich sind feste Schlafrituale“, empfiehlt Pilz. Ein heißes Entspannungsbad am Abend, ein schönes Buch lesen anstatt den aufwühlenden Thriller im Fernsehen schauen und immer ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett gehen: „Das wirkt beruhigend auf den Geist und mindert Stress.“ Auch ein Traumtagebuch ist hilfreich, um die Träume zu verarbeiten.

Oft sind Eltern verunsichert, wenn ihr Nachwuchs plötzlich schreiend aufwacht. „Kinder haben wesentlich mehr Traumschlafphasen als Erwachsene und werden nachts häufig wach“, sagt Pilz. Eine tröstende Umarmung, ruhige, besänftigende Worte – mehr können Eltern jetzt nicht tun. „Meistens schlafen die Kinder schnell wieder ein und erinnern sich am nächsten Tag nicht mehr an den Alptraum.“

Damit der Spuk seltener wird, helfen feste Schlafstrukturen, zum Beispiel nach dem Zähneputzen noch eine Gute-Nacht-Geschichte, und das Lieblingskuscheltier, das vor bösen Träumen beschützt. „So können Eltern sich und ihren Kindern schnell ruhige Nächte bescheren“, weiß Pilz aus Erfahrung. Wenn die nächtliche Traumattacke allerdings mehr als einmal die Woche auftritt und die Kinder nachhaltig belastet, sollten Eltern ärztliche Hilfe suchen.

( dpa/cl )