Fünf Minuten Chemie

Iridium – Zeuge der Asteroiden

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Wolfgang W. Merkel

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

Namen können widersprüchlich sein. Das chemische Element Iridium beispielsweise ist schwer, hart, spröde und silbrig glänzend. Dabei bedeutet das griechische Wort iridios „regenbogenfarbig". Iridium ist der Kronzeuge für den Einschlag eines großen Asteroiden auf der Erde. Der Einschlag markierte das Ende der Kreidezeit.

Namen können widersprüchlich sein. Das chemische Element Iridium beispielsweise ist schwer, hart, spröde und silbrig glänzend. Dabei bedeutet das griechische Wort iridios „regenbogenfarbig“. Doch als der Entdecker des Iridiums, der englische Chemiker Smithson Tennant, mit dem Metall experimentierte und Verbindungen herstellte, fand er einige farbige Salze – das inspirierte ihn, das Element als das Regenbogenfarbige zu benennen.

Größte Bekanntheit hat das Element nicht wegen seiner chemischen Eigenschaften und Nützlichkeit erlangt, sondern aufgrund seiner geologischen Bedeutung: Iridium ist der Kronzeuge für den Einschlag eines großen Asteroiden auf der Erde. Nach dem exotischen Element Rhenium ist das Regenbogen-Element das seltenste in der Erdkruste (abgesehen von den radioaktiven, schnell zerfallenden). Doch in einer dünnen Lage innerhalb der Gesteinsabfolgen fanden Forscher eine bis zu 160-fach erhöhte Konzentration von Iridium und einigen verwandten Metallen wie Platin. Diese Lage ist ein Sediment aus der Zeit vor 65 Millionen Jahren an der Grenze zwischen der Kreidezeit und dem Tertiär. Geologen nannten dies Iridium-Anomalie.

Entdeckt wurde sie 1980. Bekannt war da bereits, dass Asteroiden Iridium enthalten. So lag die Vermutung nahe, dass ein Asteroideneinschlag die Iridium-Anomalie verursacht haben könnte. Weil dabei massiv Staub kilometerhoch in die Atmosphäre schoss, konnte sich das Element mit Winden rund um den Globus verteilen. Heute gilt als sicher, dass der Chicxulub-Krater im Golf von Mexiko durch einen Asteroideneinschlag vor 65 Millionen Jahre entstand – er ist Ursache der Iridium-Anomalie.

Der Einschlag markiert das Ende der Kreidezeit – definiert durch das größte Massensterben von Tier- und Pflanzenarten in der Erdgeschichte. Der Einschlag, der möglicherweise über Jahre den Himmel verdunkelte und kontinentgroße Brände auslöste, könnte Ursache des Artensterbens gewesen sein. Aber nach genaueren Untersuchungen vermuten Forscher, dass der Chicxulub-Krater schon 300.000 Jahre vor dem Massensterben entstand. Möglicherweise hat die Himmelsbombe den Artentod nur eingeleitet, weitere Einschläge oder eine Phase starker Vulkanaktivität könnten das Massensterben vollendet haben.

Iridium hat aber auch einen gewissen praktischen Nutzen. In Legierungen verleiht es Härte, Sprödigkeit und Hitzebeständigkeit. Es steckt in Dentallegierungen und Katalysatoren, im Kopf von Kugelschreiberminen, im Ur-Kilogramm und Ur-Meter, in teuren Sonnenbrillen als UV-Bremse und in stark beanspruchtem Schmuck wie Eheringen.