Stammzellen

"Flüssiges Gold" aus Bauch und Hüftspeck

Bisher wurden embryonale Stammzellen aus Hautzellen generiert. Forscher aus Kalifornien haben jetzt eine Möglichkeit gefunden, anderes Gewebe in Stammzellen umzuwandeln. Die neue Methode kann nicht nur auf größeren Ressourcen aufbauen, sondern birgt auch einige andere Vorteile.

Foto: picture-alliance / dpa / pa

Die Fettpolster des Menschen bergen einen Fundus an Zellen, die sich in eine Art embryonaler Stammzellen umwandeln lassen. Diese Entdeckung machten Forscher der Stanford-Universität in Palo Alto, Kalifornien. Sie untersuchten die Fettzellen, die bei Fettabsaugungen von vier schwergewichtigen Menschen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren gewonnen wurden.


In den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften, die online vorab veröffentlicht wurden, berichten die Wissenschaftler, dass sich Fettzellen aus dem Bauchspeck sehr viel leichter umwandeln ließen als die bisher verwendeten Hautzellen. Während bei diesen eine Vorbehandlung von drei oder mehr Wochen nötig ist, können Fettzellen sofort zu induzierten pluripotenten - also vielseitig verwendbaren - Stammzellen (iPS-Zellen) transformiert werden.


"Wir haben eine große natürliche Quelle identifiziert", sagte Co-Autor Michael Longaker, und bezeichnete Fettzellen aus Absaugungen als "flüssiges Gold". Sie können von ihrem embryonalen Zustand in Knochen-, Muskel- und Fettzellen umprogrammiert werden, während Hautzellen auf die Reprogrammierung durch Gene schlechter reagieren. Das erklärte der federführende Autor der Studie, Ning Sun.

Diese Einschleusung von Genen, die für die Umwandlung vorgenommen wird, ist ein Punkt, an dem die Wissenschaftler wohl noch weiter arbeiten werden: Andere Forscherteams haben Zellen aus verschiedenen Geweben von Mensch und Tier bereits mit weniger Genen zurückprogrammiert, da der Gentransfer ein Krebsrisiko birgt. Einige konnten in ihren Versuchen sogar ganz auf das Einschleusen von Genen verzichten.

Mediziner hoffen nun, mit Hilfe von iPS-Zellen in Zukunft verschiedene Krankheiten behandeln zu können. Die Zellen konnten zum Beispiel als Ersatz für verschlissenes Gewebe heranwachsen und so die Grundlage für eine maßgeschneiderte Therapie bei verschiedenen Krankheitsbildern dienen. Die Alleskönner-Zellen iPS haben das gleiche genetische Material wie der Patient selbst - und werden daher von dessen Körper nicht abgestoßen.