Gesundheit

Stress lässt Pfunde kräftig steigen

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Ulrike Roll

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Eine der schlimmsten Ernährungssünden ist die Turbo-Geschwindigkeit, mit der viele das Essen wegputzen, warnen Ernährungsforscher. Denn wer schlingt, zieht auf der Überholspur an den Sättigungssignalen des Körpers vorbei - die Körperwahrnehmung wird ausgeschalten.

„Man isst mehr, als man eigentlich wollte.“ Die Professorin Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung bei Potsdam beschreibt damit eine der schlimmsten Ernährungssünden: Viele essen viel zu schnell und zu viel. Das resultierende Übergewicht ist Teil des „tödlichen Quartetts“: Mit von der Partie sind außerdem Bluthochdruck, Diabetes-Typ-2 und erhöhte Blutfettwerte. Sie sind maßgebliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Beim Essen entstehen mit der Zeit Signale, die dem Körper „Sättigung“ melden. Wer zu schnell isst, zieht auf der Überholspur an den Sättigungssignalen vorbei, erklärt Klaus. Wahrscheinlich erahnen Menschen mit genügend Zeit, was ihnen an Nährstoffen fehlt. Das so genannte intuitive Essverhalten wiesen Forscher bereits bei Tieren nach. Diese innere Stimme überhören viele Menschen jedoch leicht. Die Körperwahrnehmung etwa werde vom Fernseher oder dem Familienkrach zu den Mahlzeiten übertönt, sagt die Biologin.

Chronischer Stress gilt als eine Ursache von Adipositas, der Fettsucht, betont die Professorin. „Stresshormone wie Kortison können zum Überessen führen“, sagt sie. Denn bei den Urmenschen bedeutete das Notfallsignal „Stress“ vor allem Nahrungsmangel.

Zudem setze Dauer-Stress weitere Teufelskreise in Gang. Verspannte Muskeln führen zu Schmerzen. Ein Übermaß an Adrenalin schädigt das Herz-Kreislauf-System. Mit Rückenschmerzen oder einem kranken Herzen vermeidet man Bewegungen – und setzt wiederum mehr Fett an.

Genetisches Erbe verhindert Blitz-Diäten

Das genetische Erbe aus der Vorzeit verhindert auch den langfristigen Erfolg von Blitz-Diäten. Hauruck-Verfahren nutzen wenig, betont Professor Hans-Georg Joost, Vorstand des Instituts für Ernährungsforschung, denn der Körper stelle auf Hungerstoffwechsel um: Der Energie-Umsatz wird niedriger und jede Kalorie effektiv genutzt. Der „Energiesparmodus“ hält an, wenn wieder normal gegessen wird. Nun nimmt man besonders schnell zu – der Jojo-Effekt tritt ein.

Wer sich schon zum Essen keine Zeit nimmt, hat auch wenig Lust zum Kochen. Professor Uta Meier-Graewe von der Universität Gießen untersuchte, wie viel Stunden die Deutschen mit der Zubereitung von Mahlzeiten verbringen. Es zeigte sich, dass Frauen sich „deutlich weniger Zeit für die Vor-, Zu- und Nachbereitung von Mahlzeiten nehmen als zehn Jahre zuvor“. Das Statistische Bundesamt stellte fest, dass fast drei Viertel aller Männer unter 25 sich komplett aus der Küche fernhalten.

Derweil boomen Fast Food und Fertiggerichte. Das meiste enthält viel Fett oder Zucker, zum Beispiel Tiefkühl-Pizzen oder Fertig-Müslis. Biologin Klaus will jedoch nicht alle Fertiggerichte verdammen. So enthält Tiefkühl-Gemüse mehr Vitamine als lange gelagertes Winter-Gewächshausgemüse.

Doch in vielen Fällen basiert die fertige Würze auf viel Fett, Salz, Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen. Diese Zutaten sind für Hersteller weit billiger als natürliche Gewürze und Kräuter. Nach dem Prinzip „Was Hänschen nicht isst, isst Hans nimmer mehr“ wird schon der Geschmack von Kindern auf Fertiggerichte geeicht. Dies geschehe, so Klaus, zwischen drei und sechs Jahren.

Doch der moderne Mensch hetzt nicht nur beim Essen und Kochen, er gönnt sich auch zu wenig Schlaf – eine der wichtigsten Auszeiten des Lebens. Ohne ihn gerät der Kohlenhydrat-Stoffwechsel durcheinander, der Spiegel des Hungerhormons Ghrelin steigt an und der körpereigene Appetitzügler Leptin schwindet im Gegenzug. Der Wissenschaftsautor Peter Spork spitzt den Vorgan auf die Formel zu: „Anhaltender Schlafentzug kann dumm, krank und dick machen.“