Gesundheit

Auch Toner für Laserdrucker sind ein Feinstaubrisiko

Je kleiner der Staub, desto gefährlicher: Während die Schleimhäute große Partikel von der abwehren, dringt Feinstaub über die Atemwege tief in den Körper ein. Nun geraten auch die Hersteller von Kopierern und Laserdruckern in Bedrängnis.

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Feinstaub-Verursacher sind vor allem Dieselmotoren. Matthias Armborst sprach mit Professor Michael Braungart, Chemiker und Umweltforscher an der Universität Lüneburg, über die winzige Gefahr von Laserdruckern.

Morgenpost Online: Welches sind, neben Dieselruß, die Quellen von Feinstaub?

Michael Braungart: Dieselruß ist wirklich nur ein kleiner Teil. Schließlich verbringen wir Mitteleuropäer über 80 Prozent unserer Zeit in Innenräumen, in die nur wenig Dieselruß eindringt. Daher sind Stäube wichtiger, die vom Staubsauger nicht zurückgehalten, sondern verteilt werden, weil das Gerät keinen Filter hat. Und Stäube aus den Tonern von Laserdruckern. Auch wenn Sie in der Küche Fett verbrennen, entstehen Stäube: Winzige Teilchen von einem Mikrometer Größe, die eingeatmet werden und sich dann im ganzen Körper verteilen.

Morgenpost Online: Mit welcher Folge?

Braungart: Mit der Folge, dass sie unsere Lebenserwartung um etwa drei Jahre senken. In der Europäischen Union sterben durch Feinstäube jährlich 370 000 Menschen, weit mehr als an den Folgen des Passivrauchens oder durch Alkohol. Feinstaub ist damit der bei weitem schlimmste Killer, dem wir ausgesetzt sind. Noch dazu ein heimtückischer, weil sich seine Opfer kaum wehren können.

Morgenpost Online: Was geht bei einer Feinstaub-Attacke vor sich?

Braungart: In Europa werden zum Beispiel etwa 50 000 Tonnen Toner für Laserdrucker und Kopierer verwendet. Diese Toner kommen im Wesentlichen aus Asien, wo oftmals keine Qualitätssicherung stattfindet. Sie enthalten Teilchen, die man sich wie winzige Eisenharpunen vorstellen kann. Diese werden eingeatmet, wandern durch den Blutstrom, durchlöchern die Zellen und lagern sich in Nieren, Samen- und Eizellen ab. Dann verändern sie die Erbinformationen, woraus Zellveränderungen und Tumore entstehen können.

Morgenpost Online: Nach Darstellung der Hersteller von Laserdruckern ist das Problem nicht so dramatisch.

Braungart: Ja, denn sie müssen das Problem herunterspielen. Das liegt am US-Haftungsrecht: Danach werden Firmen zur Kasse gebeten, die Gesundheitsgefahren kennen und nicht handeln. Die Unternehmen müssen sich also dumm stellen. Zudem investieren sie in künstlich kontroverse Forschung. Das europäische Besorgnisprinzip ist da besser: Nicht abwarten, bis der letzte Beweis erbracht ist, sondern die Indizien zur Kenntnis nehmen und dann handeln.

Morgenpost Online: Wie kann man sich vor dem Büro-Feinstaub schützen?

Braungart: Etwa, indem man Zimmerpflanzen als Feinstaubfilter einsetzt. Das Beste ist aber, gar keine Laserdrucker mehr zu verwenden. Tintenstrahldrucker stoßen auch organische Stoffe aus, die sind aber wesentlich weniger schädlich. In Privathaushalten sollten Laserdrucker nicht in Schlafzimmern, sondern in Extraräumen stehen, die häufig gelüftet werden. Außerdem kann man Filter nachrüsten, die die Luft absaugen. Die beste Lösung wäre natürlich, grobteilige Toner zu entwickeln, deren Bestandteile nicht mehr eingeatmet werden können.