Gesundheit

Chinesische Heilkunst ist beliebt wie nie zuvor

In Deutschland ist die Beliebtheit der Traditionellen Chinesischen Medizin in den letzten Jahren stark gestiegen. 40.000 Ärzte praktizieren bundesweit Akupunktur. 2 000 Mediziner ließen sich berufsbegleitend in der Heilkunst ausbilden. Andere Ärzte warnen: Außer zur Akupunktur gibt es kaum seriöse Studien.

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Eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen der chinesischen Heilkraft vertraut. Auf die Frage, ob sie bei einer Erkrankung nur Schulmedizin oder zusätzlich auch TCM wählen würden, entschieden sich nur 18 Prozent der Befragten für eine rein westliche Behandlung. Fast zwei Drittel bevorzugten eine Kombination aus chinesischer und westlicher Medizin. Hatten die Befragten bereits Erfahrungen mit TCM gesammelt, lag die Zustimmung sogar bei fast 90 Prozent.

Aber Ärzte warnen: Abgesehen von der Akupunktur gebe es kaum zuverlässige Studien, die die Heilkraft der TCM belegten. In der TCM suchen vor allem Patienten mit chronischen Leiden oder sogenannten Befindlichkeitsstörungen Hilfe, bei denen die Schulmedizin nicht weiter weiß. Studien belegen, dass TCM-Verfahren bei chronischen Schmerzbeschwerden, Allergien, Verdauungsproblemen oder stressbedingten Leiden helfen können. Demnach verhelfen Bewegungsübungen wie Tai Chi oder Qi Gong Senioren zu einem guten Gleichgewichtssinn und bewahren sie damit vor Stürzen. Und Studien der deutschen Krankenkassen zeigen, dass Akupunktur Rücken- und Knieschmerzen besser lindert als eine konventionelle Therapie.

Das mit Abstand wichtigste Verfahren der TCM ist aber die Kräutertherapie. Tatsächlich gibt es Belege für die Wirkung mancher Pflanzenpräparate - zum Beispiel der Beifuß-Inhaltsstoff Artemisinin, der gegen Malaria hilft. Mitarbeiter des Deutschen Krebsforschungszentrums untersuchen derzeit, ob chinesische Kräuter Resistenzen von Krebszellen gegen Chemotherapien verhindern.

Die TCM-Expertin Kirschbaum setzt Pflanzen ein, um die Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung zu lindern. "Bestimmte Kräuter bessern die Verträglichkeit einer Chemotherapie", sagt sie. Joseph Beuth von der Uniklinik Köln mahnt jedoch zu Vorsicht. Er warnt davor, während einer Krebstherapie Präparate einzunehmen, deren Eigenschaften nicht genau bekannt sind. Es sei zwar durchaus möglich, dass bestimmte Pflanzenmittel die Nebenwirkungen einer Chemotherapie linderten, aber vielleicht leide darunter auch die Wirkung. Hier gebe es noch sehr großen Forschungsbedarf.