Innovation

Schnelltest für resistente Super-Bakterien

Deutsche Kliniken haben ein Problem: Immer mehr breiten sich Keime aus, die mit herkömmlichen Antibiotika nicht zu bekämpfen sind. Das Methicillin-resistente "Super-Bakterium" Staphylococcus aureus ist eine der häufigsten Ursachen für im Krankenhaus erworbene Infektionen.

Jährlich sind rund 50.000 Menschen davon betroffen, etwa 1500 sterben an den Folgen. Und die Tendenz ist steigend: „Waren 1990 weniger als zwei Prozent der kugelförmigen Bakterien gegen die Penicillin-Nachfolger Methicillin und Oxacillin resistent, sind es heute bereits über 27 Prozent in Deutschland“, klagt Klaus-Dieter Zastrow, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin am Berliner Vivantes-Klinikum.

Eine neue Waffe gegen den Trend hat der Technologiekonzern 3M entwickelt. Erstmals gibt es einen effizienten Schnelltest („3M BacLite Rapid“), der auf einer Kultur von Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus beruht und deshalb das lebende Bakterium sicher und eindeutig nachweisen kann. Die Ergebnisse stehen schon nach fünf Stunden statt bisher nach mindestens zwei Tagen fest. „Voraussetzung dafür ist ein einfacher Nasenabstrich“, erklärt Ulrike Edwards-Brühl, verantwortlich für den Bereich Business Development Medizinische Diagnostik bei 3M Medica in Neuss.

„Eine der wichtigsten Maßnahmen, mit denen wir die die Ausbreitung von MRSA bremsen oder sogar aufhalten können, besteht darin, die besiedelten Patienten zu identifizieren“, erläutert Professor Jan Kluytmans, medizinischer Mikrobiologe der Medical University Amsterdam, die Bedeutung der neuen Testmethode. Die Niederländer gelten zusammen mit den Skandinaviern als Musterknaben im Kampf gegen die winzigen Krankheitserreger.

Das System von 3M, das aus einem Probenprozessor- und einer Ausleseeinheit besteht, kann bis zu 43 Abstriche gleichzeitig auswerten. Diese werden mit einem Wattestäbchen aus der Nase entnommen und kopfüber für zwei Stunden in eine antibiotikahaltige Nährlösung gebracht. Alle darauf sensiblen Bakterien sterben in dieser Zeit ab. Im zweiten Schritt wird der Staphylococcus aureus mithilfe spezifischer Antikörper herausgefischt, die auf kleinen Magnetkügelchen fixiert sind. Eine mehrstufige Reaktion mit Enzymen führt im Fall eines positiven Befunds zur Freisetzung von Licht.

Der neue Test ist deutlich schneller als traditionelle Kulturtechniken, die erst nach 24 bis 48 Stunden ein Ergebnis liefern können. Die Universitätsklinik Münster wendet als erstes deutsches Krankenhaus den neuen Test an.