Bioethik

Die Mensch-Tier-Embryonen bleiben umstritten

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Die Zulassung zur Herstellung von Mischwesen aus tierischem und menschlichem Erbgut sorgt für weltweite Aufregung. Für die Kirche ist die Schaffung ein monströser Akt. Auch SPD und die Grünen äußern Bedenken. Einzig der nationale Ethikrat und die britische Bevölkerung billigen die Experimente.

Seit Mittwoch ist es offiziell: Die britische Behörde für Embryologie und Befruchtung (HEFA) erlaubt die Schaffung von Chimären – Mischwesen aus menschlichem und tierischem Erbgut. Menschliche DNA wird dafür in eine entkernte tierische Eizelle eingepflanzt. Die daraus entstehenden Hybridembryonen sollen für die Entwicklung von Therapien für Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson eingesetzt werden.


Weltweit sorgte die Entscheidung für Aufsehen. In Deutschland ist sie weitgehend auf Ablehnung gestoßen. Und das, obwohl auch hierzulande mindestens zwei Versuche zur Herstellung von Mischwesen aus Mensch und Tier genehmigt worden waren. Menschliche embryonale Stammzellen oder daraus gezüchtete Zellen wurden bereits in Tier-Gehirne eingepflanzt.

Gang und gäbe ist es, Bruchstücke des menschlichen Erbguts oder sogar ganze Chromosomen in tierische Zellen zu schleusen. Auf diese Weise gezüchtete Schweine sollen beispielsweise künftig Organe bereitstellen, die in Menschen verpflanzt werden können. Forscher hoffen, dass die Abstoßungsreaktionen des Körpers geringer werden. Die so geschaffenen transgenen Tiere gelten aber nicht als Chimäre.

Kritiker befürchten, dass durch die Schaffung von Chimären Krankheiten über Artgrenzen hinweg übertragen werden könnten. Ethische Einwände heben auch darauf ab, dass bei einer Beteiligung menschlicher Zellen die Identität des menschlichen Erbguts gefährdet werden könnte.

Als einen „monströsen Akt“ bezeichnete der Bioethik-Experte des Vatikan, Bischof Elio Sgreccia, die Züchtung der Misch-Embryonen. Die ehrenwerte Forschungsziele wie die Heilung von Alzheimer oder Parkinson dürften nicht durch die Nutzung niederträchtiger Mittel erreicht werden, sagte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Auch deutsche Kirchenvertreter äußerten Kritik an der Genehmigung von Mensch-Tier-Versuchen. Gebhard Fürst , katholischer Bischof von Rottenburg-Stuttgart bezeichnete das Vorhaben als „Missachtung eines ethischen Tabus“. Die Tatsache, dass dies „mitten in Europa“ möglich sei, sei „besonders bedenklich“, sagte Fürst am Donnerstag in Rottenburg. Mit den Experimenten verabschiedeten sich die Forscher noch weiter von dem, was einst unantastbare Grundlage der Moralität in Europa gewesen sei.

Auf politischer Ebene lehnen sowohl SPD als auch die Grünen das Vorhaben ab. Eine Vermischung menschlicher und tierischer Stammzellen verbiete sich aus ethischen Gründen, sagte der SPD-Ethikexperte René Röspel der „Financial Times Deutschland“. Die forschungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Priska Hinz, unterstrich zudem, dass mit solchen Experimenten die ethischen Hürden in der Stammzellforschung immer weiter gesenkt würden.

„Man kann nicht mit einem Unbedenklichkeitsscheck auf die Zukunft grenzenlose Forschung an Menschen rechtfertigen“, kritisiert auch der Präsident der Bundesärztekammer Jörg Dietrich-Hoppe. Es gebe bessere Wege, den Verbrauch menschlicher Eizellen zu umgehen.

Ein hoffnungsvoller Ansatz sei aber die Forschung an erwachsenen Körperzellen des Menschen, die zu Stammzellen umprogrammiert werden. Gleichwohl begrüßte die Bundesärztekammer die Diskussion über medizinethische Fragen in Großbritannien. Dies könne für Deutschland ein Vorbild bei ethischen Grenzfragen der Medizin sein.

Einzig der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Ethikrats, Jens Reich, äußert sich gegenüber der „Financial Times Deutschland“ positiv zum Vorhaben. Solange es um zellbiologische Experimente gehe, sei eine solche Mensch-Tier-Fusion statthaft. In der Grundlagenforschung halte er solche Versuche für vertretbar.

Der Entscheidung über die Zulassung in Großbritannien war eine Informationskampagne vorausgegangen. Bei einer anschließenden Abstimmung stimmten 61 Prozent der Briten für die Erzeugung der sogenannten hybriden Zellen.