Porträt

George Clooney wird 60: Einer der letzten großen Filmstars

| Lesedauer: 6 Minuten
Peter Zander
George Clooney - Hollywood-Charmeur mit politischem Anspruch

George Clooney - Hollywood-Charmeur mit politischem Anspruch

Kaum jemand dürfte behaupten, dass der zweifache "Sexiest Man Alive" schlecht gealtert sei: Wenigen steht das zunehmend ergraute Haar so gut wie dem Hollywood-Beau George Clooney, der am Donnerstag 60 Jahre wird. Im Laufe seiner Karriere hat sich der Schauspieler zu einem angesehenen, politisch engagierten Filmemacher entwickelt.

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Schauspieler, Regisseur, Sexsymbol und Mann mit Haltung: George Clooney wird 60 Jahre alt – und verkörpert eine untergehende Spezies.

Berlin. Filmstars sind ja eine aussterbende Spezies. Es gibt immer weniger Schauspielende, die das nötige Charisma dazu aufbringen. Und dann haben auch die sozialen Medien zum Niedergang der Spezies beigetragen. Weil sie implizieren, dass jeder jederzeit hab- und abrufbar ist.

Das Starsystem aber lebte immer auch von der Distanz, von der Bewunderung des Unerreichbaren. Deshalb ja auch die Metapher von den Sternen, nach denen man zwar greifen kann, die aber doch nie ganz zu fassen sind.

Einer der letzten großen Stars unserer Zeit ist George Clooney. Das ist einer, auf den sich alle einigen können. Für Brad Pitt schwärmen eher die Frauen, für Julia Roberts eher die Männer. Clooney aber wird von allen geliebt.

Clooney ist der Mann, den alle lieben

Von Frauen, die ihn anhimmelten. Aber auch von Männern, die so sein wollten wie er. Weil er so eine lässige, coole Männlichkeit verkörpert, wie man das seit Steve McQueen kaum mehr erlebt hat. Überhaupt eine Männlichkeit, die nicht gleich als übergriffig oder toxisch wahrgenommen wird.

Und Clooney beweist zudem: Man kann auch als Sexsymbol älter werden. Zum „Sexiest Man Alive“ wurde er vom US-Magazin People gleich zweimal gekürt: 1997, als seine Filmkarriere gerade losging, aber dann auch noch mal 2006, als die ersten Haare schon grau waren. Am 6. Mai nun wird der Star 60 Jahre alt. Und erfreut sich nach wie vor größter Popularität.

Lange war er nur ein Charmeur. Also einer, für den die Frauen schwärmten. Weil er in der US-Krankenhausserie „Emergency Room“ fünf Jahre lang den Kinderarzt Dr. Ross spielte, der so toll mit den Kleinen umgehen konnte, aber auch dieses hinreißende Lächeln und diesen unwiderstehlichen Dackelblick hatte.

Bald kamen denn auch Filmangebote, natürlich romantische Komödien wie „Tage wie dieser“ (mit Michelle Pfeiffer), aber auch Trash wie Robert Rodgriguez Splatter-Orgie „From Dusk Till Dawn“.

George Clooney: Sein Bett teilte er mit einem Borstenvieh

Mit „Batman & Robin“ löste Clooney dann Michael Keaton und Val Kilmer als Comicheld ab. Er findet den Film zwar schrecklich und sich selbst darin fürchterlich, doch mit der Fledermaus schwang er sich endgültig empor in den Mainstream-Olymp. Und konnte sich fortan seine Rollen und Regisseure aussuchen. In dieser Zeit war Clooney der meist umschwärmte Junggeselle der Traumfabrik.

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Es gab viele kurze Affären, die dauerhafteste Beziehung aber war lange die zu seinem Hausschwein Max, mit dem er sogar das Bett teilte. Das ging, das war keine Konkurrenz für die weiblichen Fans.

Mit Steven Soderbergh gründete Clooney dann sowas wie den Club der coolen Typen, mit dem er auch für Männer zum Idol wurde: mit „Ocean’s Eleven“, der auch zwei Fortsetzungen, Twelve and Thirteen, erfuhr. Clooney ist zwar kein großer Schauspieler. Aber er hat eine Aura. Das haben nur wenige. Und auch das trägt über Filme.

Ein Robert De Niro mag sich in all seinen Figuren bis zur Unkenntlichkeit verwandeln. Clooney dagegen ist immer Clooney, in seinen Rollen, aber auch auf dem Teppich. Da muss man sich nicht verstellen. Der Mann hat außerdem Humor, was er nicht nur in seinen Filmen immer wieder unter Beweis stellt.

Clooneys erstklassige Berlinale-Performance

Und er hat sich auch als Regisseur bewährt, hat als solcher auf der Berlinale debütiert („Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“, 2002) und das Festival auch 2014 mit „Monuments Men“ gerockt. War jener Film auch Mittelmaß, Clooneys Performance in Berlin – er trieb seine Co-Stars sogar zur Polonaise an – war erstklassig.

Darüber hinaus ist Clooney aber auch eine Persönlichkeit mit Haltung. Immer schon hat er sich politisch geäußert, kritisierte George W. Bush, unterstützte Barack Obama und schoss Breitseiten auf Donald Trump. Clooney war Friedensbotschafter der UN, bereiste mehrfach die Krisenregion im Sudan, um auf die verheerende Menschenrechtslage hinzuweisen, und engagiert sich für den Klimaschutz. Ein Mann mit Gewissen also.

"The Midnight Sky": George Clooney über seinen neuen Netflix-Fil,
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Der denn spät doch noch die bestmögliche Partnerschaft einging mit der britisch-libanesischen Juristin Amal Alamuddin, die sich auch nicht auf ihr schönes Äußeres reduzieren lässt, sondern als Menschenrechtsanwältin höchstes Ansehen genießt.

Und sogar von den weiblichen Clooney-Fans geschätzt wird. Ein Promi-Paar, wie es das nur selten gibt (erst recht nach dem Bruch des Buddy-Paares Brangelina), und mit dem sich sogar die Bundeskanzlerin gern mal ablichten lässt.

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Mit Julia Roberts vor der Kamera

George Clooney ist auch einer, der den Hausmann für seine Zwillinge macht, wenn die Gattin für das Gute in der Welt streitet. George Clooney, das ist auch der Inbegriff dessen, wie sich die alte Traumfabrik gern selber sieht. Oder sehen möchte. Attraktiv, elegant, liberal, aufrecht. Unter den vielen Auszeichnungen auf seinem Regal finden sich zwei Oscars: einen als Schauspieler (für „Syriana“ 2006) und einen als Produzent (für Ben Afflecks „Argo“ 2013).

In seiner im Dezember gestarteten Netflix-Produktion „The Midnight Sky“ zeichnete er ein düsteres Endzeitbild nach einer Umweltkatastrophe. Als nächstes will er wieder mit seiner guten Freundin Julia Roberts vor der Kamera stehen, arbeitet zudem an einem neuen Regiefilm („The Tender Bar“) und zugleich an einer Dokuserie über einen Missbrauchsskandal an einer amerikanischen Universität.

Corona hat ihn offenbar nicht ausgebremst. Auch sonst hat er nicht viel Ruhe in der Pandemie, wie er kürzlich dem Lifestyle-Magazin „W“ bekannte: „Ich sag euch, was mein Hobby ist: zwei oder drei Waschladungen am Tag, den ganzen Tag lang Geschirr, denn diese Kinder sind reine Chaoten.“

Da ist er wieder, der Meister der Ironie. Mit solchen Äußerungen gibt er sich schlagfertig, bodenständig und nahbar zugleich. Typisch Clooney halt.

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