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Sophia Loren kehrt mit 86 Jahren vor die Kamera zurück

| Lesedauer: 5 Minuten
Rüdiger Sturm
Gewaltiger Neukunden-Boom bei Netflix lässt nach

Gewaltiger Neukunden-Boom bei Netflix lässt nach

Nach einem durch die Corona-Krise bedingten Boom im ersten Halbjahr hat der Andrang neuer Kunden bei Netflix zuletzt stark nachgelassen. Im dritten Quartal gewann die weltweit führende Streaming-Plattform für Filme und Serien nur noch 2,2 Millionen Abonnenten hinzu.

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Sophia Loren hat für Netflix noch mal gedreht. Mit uns sprach die 86-Jährige über gute Kunst, schlechte Zeiten und über Marlon Brando.

Berlin. Sophia Loren ist zurück. Die legendäre Leinwanddiva und Oscarpreisträgerin ist ab dem 13. November auf Netflix in dem anrührenden Drama „Du hast das Leben noch vor dir“ zu sehen. Prompt spekuliert die Branche sogar über einen Oscar für die inzwischen 86-Jährige. Beim Interview zeigt sie sich so positiv aufgeladen und lebenssprühend, als ginge ihre Karriere jetzt erst richtig los.

Nach mehrjähriger Pause sind Sie mit 86 wieder einmal in einem Film zu sehen. Sie sind also der Schauspielerei nicht müde geworden?

Sophia Loren: Nein, im Gegenteil. Ich hoffe, dass ich jetzt wieder mehr drehe. Aber es ist so schwierig, gute Geschichten zu finden. Das war auch der Grund für meine Pause. Warum sollte ich einfach nur um des Filmemachens willen vor der Kamera stehen? Es muss sich künstlerisch lohnen. Ansonsten werde ich für immer mit einem Film verbunden sein, den die Leute nicht mochten. Aber ich fühle mich noch jung, und ich definiere mich als Schauspielerin. Das ist der Beruf, den ich immer machen wollte, und in dem ich aktiv sein werde, so lange es geht. Genügend Durchhaltefähigkeit habe ich ja.

Regie bei dem Film führte Ihr Sohn Edoardo Ponti, für den Sie schon früher vor der Kamera standen. Ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, wenn einem der eigene Sohn Anweisungen gibt?

Loren: Wir haben schon früher zusammen gedreht. Beim ersten Mal war das schon ein bisschen peinlich. Denn ich erinnerte mich beim Dreh an die Zeiten, als er noch ein kleiner Junge war. Aber nach ein, zwei Tagen entwickelte sich damals eine ganz normale freundschaftliche Beziehung zwischen einem Regisseur und einer Schauspielerin, und daran hat sich nichts geändert. Und ich war also sehr froh, als er mit der Geschichte von „Du hast das Leben vor dir“ zu mir kam.

Diese Geschichte beschäftigt sich indes mit düsteren Themen mit dem Sterben. Ist das nicht aufreibend, solche Rollen zu spielen?

Loren: Nein, für mich ist das keine traurige oder düstere Geschichte. Es sind Themen, die mich interessieren, ich fühle mich selbst gesund und munter, und davon abgesehen habe ich meinen Glauben an Gott, der mir Trost gibt.

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Auch in schwierigen Zeiten wie jetzt?

Loren: Sie sagen es. Auch wenn ich selbst keine Lösungen oder Antworten habe, sondern nur abwarten kann.

Die heftigste Zeit Ihres Lebens dürfen die Kriegsjahre gewesen sein. Sie sind ja Jahrgang 1934 ...

Loren: Das ist richtig. Die Erinnerungen an die Bombennächte und den Hunger sind immer noch lebendig. Es waren harte Zeiten. Auf diese Erfahrungen habe ich dann auch bei Kriegsdramen wie „Und dennoch leben sie ...“ zurückgegriffen. Das hat mir dann ja auch einen Oscar eingebracht. Aber gleichzeitig musst du imstande sein, vorwärts zu schauen und dich wieder deines Lebens zu freuen. Das habe ich getan, nachdem der Krieg vorbei war.

Wie haben Sie den Gang nach Hollywood empfunden als jemand, der die Entbehrungen des Weltkriegs erlebt hatte?

Loren: Ich habe es genossen. Es war wie ein Traum. Man hielt mir zu Ehren einen Empfang ab, an dem ganz viele große Stars teilnahmen. Ich werde das nie vergessen. Auch nicht das Dekolleté von Jayne Mansfield, aus dem alles herausquoll. Aber im Ernst: Ich habe in dieser Zeit enorm viel gelernt, eben weil ich mit so vielen berühmten Kollegen arbeiten konnte.

Mit Marlon Brando, mit dem Sie „Die Gräfin von Hongkong“ drehten, sollen Sie allerdings nicht so gut klargekommen sein.

Loren: Er war schon in Ordnung. Er hat sich eher selbst das Leben schwer gemacht. Du kannst eben nicht mit jedem die gleiche Chemie haben wie ich sie beispielsweise mit Cary Grant oder Marcello Mastroianni hatte.

Jetzt haben Sie sich aus dieser Welt des Glamours weitgehend zurückgezogen. Vermissen Sie die?

Loren: Das war nie mein Fall. Ich bin eher ein introvertierter Mensch. Ich bin froh, wenn ich mit meinen Kindern Zeit verbringen, kochen und lesen kann. Mir können selbst Interviews schwerfallen, wenn ich da etwas von mir verraten soll. Ich weiß, manche Leute haben meine Schönheit gerühmt, aber ich bin nur ein Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen. Ich bin, was ich bin.

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