Interview

Christoph M. Ohrt über die Tragikomödie „Camping mit Herz“

Schauspieler Christoph M. Ohrt über seine Rolle als abgehalfterter Schlagerstar in einer Camping-Komödie und sein Leben mit Hörgerät.

So lieben ihn seine Fans: Camping-Kalle (Christoph M. Ohrt) mit Gitarre und Zelt.

So lieben ihn seine Fans: Camping-Kalle (Christoph M. Ohrt) mit Gitarre und Zelt.

Foto: ARD Degeto / Sandra Hoever

Berlin. Die Anwaltsserie „Edel & Starck“ machte ihn 2002 zum Publikumsliebling: Christoph M. Ohrt (60). In der Tragikomödie „Camping mit Herz“ (4.9., 20.15 Uhr, ARD) verkörpert der Schauspieler nun den abgehalfterten Schlagersänger Kalle, der vor Jahren mit einem Campingsong seinen einzigen Hit landete – im Rahmen einer PR-Aktion muss der gealterte Star nun auf den Zeltplatz von Désiree (Diana Amft) ziehen, obwohl er Campen in Wahrheit von Herzen hasst.

Herr Ohrt, in Ihrer Komödie „Camping mit Herz“ erkennt man Sie auf den ersten Blick kaum, so sehr haben Sie sich äußerlich verändert…

Christoph M. Ohrt: Ich war wirklich sehr glücklich, dass Regisseur Josh Broecker mich gebeten hat, mir den Bart und die Haare länger wachsen zu lassen. Es passiert mir eigentlich selten, dass ich für eine Rolle mein Äußeres verändern darf, dabei ist das doch gerade der große Spaß beim Schauspielen. Ich hoffe, dass das jetzt öfter vorkommt.

In dem Film spielen Sie einen abgehalfterten Schlagerstar. Singen Sie in den Gesangsszenen selber?

Ehrlich gesagt ist das Singen nicht so meine Stärke. Wenn ich unter der Dusche oder beim Autofahren singe, würde ich am liebsten selber Reißaus nehmen, und deshalb lassen wir das in diesen Szenen bewusst etwas offen (lacht).

Aus PR-Gründen muss Schlagerstar Kalle zwei Wochen auf einem Zeltplatz an der Ostsee campen, obwohl er das hasst. Campingurlaub ist ja in Zeiten von Corona groß in Mode. Sind Sie eher der Typ Zeltplatz oder Luxushotel?

Mir ist ein schönes Hotel lieber. Ich war zwar schon campen, ich habe sogar schon mit meinem Sohn in Kalifornien in der Wüste gezeltet und fand Camping immer klasse. Aber nach drei, vier Tagen war ich jedes Mal froh, wenn es wieder ein Ende hatte. Ich verstehe es, wenn Leute das mögen, aber die Umstände, unter denen man auf einem Campingplatz lebt, das ist nicht so meine Richtung. Ich habe einfach gerne mein eigenes Bad.

Sie haben in der Rolle ein Hörgerät und tragen auch in echt eines. War es Ihre Idee, das ins Drehbuch zu schreiben?

Nein, auch das war eine Idee von Josh Broecker, dem Regisseur. Er hat erst gesagt, jetzt schreiben wir dir zwei Songs, dann lerne bitte Gitarre, lass dir den Bart und die Haare wachsen – und was hältst du davon, wenn wir das Hörgerät einbauen? Als er das vorgeschlagen hat, habe ich sofort ja gesagt, denn ich fand, dass das der Figur noch mal einen anderen Kick gibt, es macht sie noch glaubwürdiger.

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Schlagerstar Kalle hatte in seiner Karriere einen einzigen großen Hit, auf den er ständig angesprochen wird. Was war der größte Hit in Ihrer Schauspielerkarriere?

Den meisten Zuschauern ist die Serie „Edel & Starck“ im Kopf hängen geblieben, aber auch auf die Filme „Echte Kerle“ und „Ballermann“ werde ich oft angesprochen. Auf so was wie die Serie „Helicops“ werde ich komischerweise nicht mehr angesprochen, obwohl das damals ja auch schwer angesagt war. Aber gerade bei „Edel & Starck“ stimmte wirklich alles, und darauf kann ich auch stolz zurückblicken. So enorm hat nichts noch mal eingeschlagen.

Ist es Ihnen gar nicht lästig, darauf angesprochen zu werden?

Nein, denn das waren vier tolle Jahre, und ich blicke gerne darauf zurück. Ich habe viel anderes gedreht, aber wenn die Serie das ist, was bei den Leuten hängengeblieben ist, geniere ich mich nicht – im Gegenteil, denn es war ja gute Unterhaltung.

Es heißt ja immer, dass Schauspielerinnen über 50 weniger Jobs bekommen, während es dieses Problem bei ihren männlichen Kollegen nicht gibt. Ganz schön unfair, oder?

Bei Frauen ist es ja wirklich eine Katastrophe, eine bestimmte Altersgruppe von Frauen existiert im Film kaum. Entweder sollen sie alle unter 40 oder über 60 sein. Dabei sind doch gerade Frauen um die 50, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und ihr Leben meistern, faszinierend. Man kann da viel lernen, aber das verpassen wir leider. Ich finde diesen Jugendwahn schade.

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