Trauer

Birol Ünel ist tot: Er hat den Bad Boy gespielt – und gelebt

Mit „Gegen die Wand“ feierte Birol Ünel seinen großen Durchbruch. Nun ist der Schauspieler tot. Er starb im Alter von nur 59 Jahren.

Birol Ünel im Film „Gegen die Wand“.

Birol Ünel im Film „Gegen die Wand“.

Foto: imago stock&people

Berlin. 
  • Birol Ünel hatte mit dem Film „Gegen die Wand“ seinen großen Durchbruch
  • Der Schauspieler ist jetzt überraschend im Alter von 59 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben
  • Ünel wurde beim Deutschen Filmpreis 2004 als bester Schauspieler gefeiert

Die Rolle seines Lebens spielte Birol Ünel in Fatih Akins „Gegen die Wand“. Als Deutschtürke Cahit fährt er da gleich zu Beginn sein ganzes Leben buchstäblich gegen die Wand, in eindeutiger Tötungsabsicht, läuft dann über weite Strecken des Films mit einer Halskrause herum und kann doch nie lassen von seinem zügellosen Leben, das eine einzige Maßlosigkeit ist, ein Zuviel an allem: Alkohol, Drogen, Sex.

Birol Ünel wurde dafür beim Deutschen Filmpreis 2004 als bester Schauspieler gefeiert. Doch schon damals fragten sich nicht wenige, wie viel da bloß gespielt war. Am Donnerstag ist der Schauspieler nun mit 59 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Birol Ünels Zustand verschlechterte sich

Am 18. August – seinem Geburtstag – sei er in in das Vivantes Klinikum in Friedrichshain eingeliefert worden, danach habe sich sein Zustand weiter verschlechtert, wie Shermin Langhoff, die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, zuerst der „Bild“-Zeitung berichtete.

Ünel, 1961 in Silifke in der Südtürkei geboren, kam als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Der Vater ein Malocher, die Mutter Analphabetin, machte er erst eine Ausbildung zum Parkettleger, bevor er entdeckt wurde und an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover Schauspiel studierte.

„Gegen die Wand“ war sein größer Triumph

Ab 1987 spielte er erste Filmrollen, meist Kleinkriminelle mit Migrationshintergrund in Krimireihen. Erste Meriten erwarb er sich an Berliner Bühnen, im Tacheles, wo er auch Regie führte, und an der Volksbühne, wo er in Frank Castorfs „Nibelungen“ den deutschesten aller Helden spielte: Siegfried.

Schicksalhaft dann seine Begegnung mit Fatih Akin, der ihn in „Juli“ (2000) und „Soul Kitchen“ (2009) besetzte. Und in „Gegen die Wand“ (2003).

Es war Ünels größter Triumph. Aber vielleicht schon der Anfang vom Ende. Immer wieder war danach von Abstürzen, Alkoholexzessen, Prügeleien die Rede. Ünel rebellierte wie sein Cahit gegen das Leben. Und gegen sich selbst. Zuletzt war er nur noch in Gastrollen zu sehen, etwa in „Ich bin dann mal weg“.

Vor fünf Jahren ging dann ein Bild durch die Medien, wo er buchstäblich in der Gosse lag. Obdachlos am Kottbusser Tor. Birol Ünel war ein Mann, der den Bad Boy nicht nur gespielt, sondern gelebt hat. Eine tragische Figur, die wohl an sich selbst gescheitert ist. „Ruhe in Frieden, mein Freund“, postete Fatih Akin auf Instagram. „ Du hattest ein Licht in Dir, das mich immer überwältigt hat.“

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