Barbara Schöneberger

Barbara Schöneberger: „Bin nicht der hottest Shit in Town“

Barbara Schöneberger geht auf „Alles Gute und so weiter“-Tour. Mit ihren Songs will sie der Frau von nebenan aus der Seele sprechen.

Barbara Schöneberger spielt am 12. November ein Konzert in der Verti Music Hall.

Barbara Schöneberger spielt am 12. November ein Konzert in der Verti Music Hall.

Foto: Benno Krähahn

Eigentlich ist Barbara Schöneberger eine der Prominenten, auf die sich ganz Deutschland einigen kann. Auch auf ihrer kommenden „Alles Gute und so weiter“-Tour will die 45-Jährige ihr Publikum wieder mit Songs von alltäglichen Sorgen und Eheproblemen unterhalten. Ihr Erfolgsrezept: Trotz Showkarriere ist Barbara eine von uns. In den vergangenen Wochen musste die Wahlberlinerin dennoch den ersten Shitstorm ihrer Laufbahn erleben. Ein Instagram-Video, in dem sie sich gegen Make-up bei Männern aussprach, stieß bei zahlreichen Followern nicht auf Gegenliebe. Wie sie diese Fans zurückerobern möchte, warum sie mehr Bad Salzuflen als Mitte-Hipster ist und weshalb sie immer zu viel arbeitet, erzählt die Moderatorin und Sängerin im Interview.

Mit Ihrer Zeitschrift haben Sie gerade Jubiläum gefeiert, neuerdings gibt es ein Eis von Ihnen, eine Tour, dazu zahlreiche Event-Moderationen. Sind Sie schnell gelangweilt?

Barbara Schöneberger: Ich glaube, das ist aus meinen Anfangsjahren übrig geblieben. Wenn man nach einem Projektende nicht wusste, wie es weiter geht. Dieser Unsicherheit wollte ich entgegenwirken, indem ich selbst das Zepter in die Hand nehme und immer noch etwas anderes mache. Eigentlich wollte ich im kommenden Jahr ein bisschen weniger arbeiten. Ich fürchte aber, das klappt nicht. Ich nehme mir das jedes Jahr vor. Und wenn ich mir dann überlege, was ich streichen könnte, fällt mir nichts ein. Vor zehn Jahren dachte ich, mit 45 werde ich wahrscheinlich kürzer treten. Fakt ist: Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie heute. Und ich könnte noch 1000 Mal mehr machen. Aber das ist auch gut so. Ich stelle mir das schwer vor, wenn die Arbeit von heute auf morgen einfach wegfiele.

Es ist die zweite Tour zum gleichen Album. Wie kommt’s?

Ja, manchmal wiederholt sich alles. Heute Morgen habe ich es selbst für einen Witz gehalten, dass ich schon PR für Tourtermine 2020 machen soll. Aber wir wollen natürlich die Hallen ausverkaufen. Und da muss man auch ein bisschen drüber reden. Die andere Tour ist in meinem Empfinden gerade erst vorbei.

Ihr Berlin-Konzert ist in knapp einem Jahr. Sind Sie immer so weit im Voraus verplant?

Ausgebucht bin ich tatsächlich so lang. Privat bin ich überhaupt nicht so organisiert. Ich kann aber nur mit Druck arbeiten, deswegen ist das schon gut so. Der Termin muss fühlbar sein, bevor ich anfange, mich mit bestimmten Dingen auseinanderzusetzen. Ich wünschte, das wäre anders. Bei Konzerten merke ich, dass Songs tiefer sitzen, mit denen ich mich schon eine Weile länger beschäftigt habe. Das schadet nicht, wenn man auf die Bühne geht. Die Musik läuft gnadenlos weiter, auch wenn ich die Worte im Kopf nicht finde. Vielleicht fange ich dieses Mal ein bisschen früher an.

Zu Ihrem Glück ist das Programm dieses Mal ähnlich wie beim letzten Mal …

Das stimmt. Wie genau das aussehen wird, weiß ich selbst noch nicht. Ich werde ein paar andere Songs singen. Und neue Klamotten habe ich. Das steht fest. Deshalb mache ich das nämlich. Was da inhaltlich passiert, ist mir dann gar nicht mehr so wichtig (lacht).

Entwickeln die Songs im Laufe der Zeit eine gewisse Eigendynamik, mit der Sie im Studio nicht gerechnet hätten?

Klar. Beim Aufnehmen habe ich ganz andere Favoriten gehabt als die, die sich während der Tour zu meinen Lieblingen entwickelt haben. Das liegt vor allem an der Resonanz des Publikums. Komischerweise sind die am meisten bei den melancholischen, nachdenklichen Songs mitgegangen. Ich dachte immer, die Leute wollen das Lustige von mir. Wenn es danach ginge, würde ich als nächstes ein Schwarz-Weißes Brecht-Album machen.

Welches Feedback bekommen Sie denn von Ihrem Publikum?

Ich bin ja nicht Berlin-Mitte-Hipster, ich bin eher Rosenheim, Bad Salzuflen und Hannover. Ich bin nicht Palina Rojinski und der hottest Shit in Town. Zu mir kommen ganz normale Menschen, die gern lachen und gut unterhalten werden möchten. Die identifizieren sich mit Songs wie „Hajo und Luise“, wo man sich die Ehe nach ein paar Jahren irgendwie anders vorgestellt hat. Da sitzen Frauen im Publikum und denken: Richtig, bevor ich den Heinz-Rüdiger kennengelernt hab, liefs bei mir doch super, was ist eigentlich passiert in den letzten 35 Jahren? Das trifft den Nerv der Leute. Und dafür bin ich da. Ich bin nicht die Hochglanz-Barbie, bei der man sich die ganze Zeit fragt: Wie macht sie das bloß? Ich bin die gleiche Frau wie die, die im Publikum sitzen. Nur eben in einem etwas glitzernderen Kleid. Da gibt es ein großes Identifikationspotential.

Dass Ihr Publikum das glaubt, ist die Kunst. In der Realität sieht das natürlich ein bisschen anders aus …

Das stimmt. In meinem Leben gibt es wenige Probleme. Aber ich bekomme ja viel Post von meinen Lesern und Hörern mit ihren Geschichten. Die wenigsten können, so wie ich, von sich sagen: Ich möchte nichts in meinem Leben ändern und liebe jeden Tag. Das weiß ich natürlich. Ich bin aber auch hinlänglich resistent bestimmten Dingen gegenüber. Andere Menschen würden vielleicht auch in meinem Leben sagen: Boah, das finde ich mühsam. Ich bin stark, aber mein Leben ist auch ein Traumleben. Deshalb kann ich zwar bei vielem nicht mitreden, weiß aber trotzdem, was die Leute so umtreibt. Ich versuche, auch in meiner Situation das normalst mögliche Leben zu führen. Ich frage mich nie: Darf ich das als Prominenter?

Kommt so ein Video zustande, wie das viel kritisierte, in dem Sie erklärten, Sie mögen keine geschminkten Männer? Weil Sie sich diese Frage nicht stellen?

Ich mache mir überhaupt nie Gedanken. Und ich dachte auch, dass Instagram genau dazu da ist, solche Sachen rauszuhauen. In dem Fall hätte ich mir das noch mal angucken und mich fragen sollen, ob sich jemand davon diskriminiert fühlt. Denn davon gab es offensichtlich viele. Das kann ich nachvollziehen und das tut mir leid. Ich wollte natürlich niemanden diskriminieren. Ich gehe immer davon aus, dass die Menschen, wenn sie mich seit 20 Jahren verfolgen, einordnen können, was ich wie meine. Ich dachte immer, niemand könnte mich in dieser Hinsicht missverstehen. Ich fühlte mich sicher, weil ich mit fast allen Menschen dieser Welt in Einklang lebe. Deshalb mache ich auch über alle einen Spruch. Zuallererst über mich selbst. Aber es gibt da eine Sensibilität, dich ich falsch eingeschätzt habe. Ich fürchte, den ein oder anderen Fan muss ich zurückerobern.

Haben Sie die negativen Reaktionen persönlich getroffen?

Persönlich getroffen nicht, aber ich war erstaunt, welche Geschwindigkeit und welches Ausmaß das angenommen hat. Persönlich getroffen waren eher die anderen. Ich hatte das Gefühl, manch einer wollte mich auch missverstehen.

Wie gehen Sie sonst mit Anfeindungen im Internet um?

Habe ich nicht. Kenne ich nicht. Ich glaube, ich gehöre zu den Prominenten, die damit am wenigsten zu kämpfen haben. All das, was andere über Jahre angesammelt haben, habe ich jetzt an einem Nachmittag abbekommen. Klar sagt mal einer: Du bist fett und alt. Aber ich bin 45 Jahre alt. Instagram beherrscht nicht mein Denken und meine Welt. Wenn ich morgen keine Lust mehr darauf habe, melde ich mich eben wieder ab. Und ich ruhe auch zu sehr in mir selbst, als dass ich mir jede Einzelstimme zu Herzen nehmen würde. Und am Ende ist es auch das Showgeschäft. Man muss damit leben, dass viele einen super und genau so viele einen doof finden. Ich kann das aushalten.