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Til Schweiger: Was er über seine größten Flops sagt

Auf der Plattform „Meet Your Master“ kann man von Til Schweiger lernen. Wer selbst sein wichtigster Lehrer war, verrät er im Interview.

Til Schweiger ist Schauspieler und Regisseur.

Til Schweiger ist Schauspieler und Regisseur.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Die neue Plattform „Meet Your Master“ vereint einige der erfolgreichsten deutschsprachigen Persönlichkeiten, die auf diese Weise ihre Expertise teilen – ob in Musik, Showbusiness oder Kochkunst. Unter ihnen ist auch Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger, der im Interview über die wichtigsten Lernerfahrungen seines Lebens spricht.

Das Motto von „Meet Your Master“ lautet ‚Lerne von den Besten’. Aber wer waren eigentlich Ihre wichtigsten Lehrer?

Til Schweiger: Mein Vater, in meinem Beruf als Schauspieler Heiner Lauterbach, als Produzent Bernd Eichinger – und ansonsten meine Kinder.

Was haben Sie von den Betreffenden jeweils gelernt?

Schweiger: Von meinem Vater Großzügigkeit, Gerechtigkeitssinn und ganz wichtig: Beflissenheit. Wenn man etwas macht, dass man es richtig macht. Heiner Lauterbach hat mir als jungem Schauspieler beigebracht, wie man vor jeder Einstellung seinen Puls beruhigt. Von Bernd Eichinger habe ich gelernt, dass ich als Produzent nur einen Instinkt für die richtigen Stoffe brauche, dann soll ich einfach ins kalte Wasser springen. Meine Kinder wiederum lehren mich die Neugier aufs Leben und eine neue Sicht der Dinge.

Welche Erkenntnisse waren es genau, die Ihnen Ihre Kinder vermittelt haben?

Schweiger: Es gibt tausend Beispiele. Ohne sie würde ich die heutige Jugendsprache nicht mehr durchschauen. Ich habe dank ihnen die Bedienung von iPhone, Macbook und Social Media gelernt. Meine jüngste Tochter hat mir außerdem viel über Massentierhaltung beigebracht. Ich möchte auf jeden Fall neugierig bleiben. Denn das Rad dreht sich weiter. Die Jugend ist heute ist unserer Generation schon in vielem voraus. Das ist für mich ein Ansporn, dazuzulernen.

Es heißt ja auch, dass man aus Niederlagen mehr lernt denn aus Erfolgen...

Schweiger: Generell würde ich sagen, stimmt schon. Erfolg kann dich sehr schnell selbstzufrieden machen. Wie heißt es in ‚Rocky’: Niedergeschlagen werden ist okay, aber es geht ums Aufstehen. Wenn du aufstehst, bist du ein Champ, wenn nicht, dann nicht.

Welche Niederschläge haben Sie wegstecken müssen?

Schweiger: Es gab zwei große Niederlagen: Meine erste internationale Produktion „One Way“, meiner Meinung nach ein toller Film, wurde von der Kritik vernichtet. Damit habe ich wahnsinnig viel Geld verloren. Das schlimmste war dann der Flop von „Head Full of Honey“, des englischsprachigen Remakes von „Honig im Kopf“.

Würden Sie nach dieser Erfahrung heute etwas anders machen?

Schweiger: Nein. Ich habe einen Film gemacht, der besser als das Original ist. Aber er wurde von Mächten gekillt, gegen die ich nichts ausrichten konnte, in diesem Fall einem amerikanischen Studio, das aus unerfindlichen Gründen irgendwelche strategischen Entscheidungen getroffen hat. Ich habe jedenfalls gelernt, dass es mich nicht umbringt. Ich habe Monate lang gelitten, auch weil viele der Beteiligten gelitten haben, darunter mein Hauptdarsteller Nick Nolte, der sich berechtigte Hoffnungen auf eine Oscarnominierung machte. Aber nach vier Monaten Traurigkeit musste ich sagen: Das Leben geht weiter.

Woher nehmen Sie die Stärke, mit so etwas umzugehen?

Schweiger: Ich war schon immer so. Aber ich habe auch keine andere Wahl. Wenn du das nicht machst, dann kannst du in deinem Selbstmitleid versinken. Es gibt natürlich manche Menschen, die gerne leiden. Das Leben gibt einem viel mehr negative Energie als positive. Aber ich sage dann: „Du hast ein Dach über dem Kopf, du lebst in Frieden und Sicherheit, und wenn dir dein Job nicht gefällt, dann kannst du dir einen neuen suchen. Guck lieber, wie es den Menschen in paar hundert Kilometer weiter geht, und höre auf zu jammern.“

Es gibt ja den Spruch „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“

Schweiger: Meine Eltern haben den nie zu mir gesagt. Bei denen hieß es: „Ein Indianer darf auch weinen.“ Aber es stimmt schon: Was einen nicht umbringt, das macht einen auch stärker.

Sie haben ja oft genug auch Gegenwind bekommen.

Schweiger: Wenn ich auf all meine Kritiker gehört hätte, dann hätte ich vor 20 Jahren schon aufhören müssen. Die haben mich nicht härter gemacht, ich habe einfach gesagt: „Was wollt ihr, ihr Penner?“

Sie scheuen sich nicht, offen Farbe zu bekennen...

Schweiger: Wenn du eine ruhige Kugel schieben willst, dann musst du die Schnauze halten. Sobald du in Deutschland eine Meinung hast, wirst du glattgebügelt. Deshalb sagt ja in der Öffentlichkeit kaum noch jemand etwas von Substanz, ob Sportler oder Politiker. Aber ich vertrete meine Meinung. Nicht, weil ich ein Rebell sein will, sondern weil ich so bin. Deswegen bin ich bereit für den Gegenwind. Und ich nehme diese Reaktionen auch wahr. Im Lauf der Jahre wurde ich von allen Seiten attackiert. Als ich in meinem Film „Schutzengel“ die Leistung der Bundeswehr in Afghanistan gewürdigt habe, haben Linke einen Anschlag auf mein Haus verübt, und für meine Ansichten zur Flüchtlingspolitik wurde ich von Nazis angegriffen.

Aber ungeachtet dessen sind Sie einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler. Was macht aus Ihrer Sicht Erfolg aus?

Schweiger: Das ist eine Definitionsfrage. Ich habe zwar eine gescheiterte Ehe, aber ich habe vier Kinder, die mich lieben und die ich abgöttisch liebe und zu denen ich ein sehr offenes Geradeaus-Verhältnis habe. Ich war auch nie ein autoritärer Vater. Und ich habe viele enge Freunde. Wobei ich auch einige verloren habe, von denen ich dachte, sie wären Freunde. Aber wenn du begreifst, dass dein Freund keiner ist, sagst du dir: ‚Besser ich merke es jetzt als in 20 Jahren.’ Ich bin jedenfalls happy. Ich würde nichts anders machen.