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Conchita: „Ich habe aufgehört, höflich zu sein“

ESC-Diva Conchita im Morgenpost-Interview über Veränderungen und den ganz großen Auftritt.

Sängerin Conchita hat ihre Fesseln abgelegt – und den Nachnamen Wurst gleich mit

Sängerin Conchita hat ihre Fesseln abgelegt – und den Nachnamen Wurst gleich mit

Foto: Reto Klar

Egal ob man ein erstes Date hat, eine Dinner-Party gibt oder vor Tausenden Menschen auftritt: Aufregung ist immer der erste Gast. Conchita hat einen guten Grund, ihr Bauchgefühl Achterbahn fahren zu lassen. Seit Freitag ist ihr neues Album „From Vienna With Love“ auf dem Markt. Grummeln dürfte ihr die Tatsache bereiten, dass von ihren angekündigten elf Konzertterminen in Deutschland zehn wieder abgesagt wurden. Die 29-Jährige entschuldigte sich dafür bei ihren Fans via Facebook-Video, eine Begründung vom Veranstalter blieb auf Nachfrage aus. Trotzdem kein Grund für die Diva, den Kopf hängen zu lassen, wie sie mit ihrem Auftritt am Sonnabend im Wiener Konzerthaus bewies. Wir fragen bei Conchita nach, welche Tipps sie für den großen Moment in petto hat.

Haben Sie bei der Vorbereitung auf Shows ein spezielles Ritual, mit dem Sie die Nerven beruhigen?

Conchita : Ich setzte total auf den
Placebo-Effekt. Ich trinke nichts, das perlt, und alles nur in Zimmertemperatur. Und ich esse einen ganzen Bottich Honig. Dann glaube ich dran: Jetzt geht es den Stimmbändern gut, da wird nichts kratzen.

Und dann wird noch die innere Mariah Carey beschworen. Oder die innere Cher?

Wenn dann Cher! Manchmal höre ich dann tatsächlich Musik zur Einstimmung. Da fällt mir aber gerade was anderes ein: Ich habe einmal mitbekommen, wie Scooter sich aufwärmen. Das ist der absolute Wahnsinn! Wenn man vor deren Garderobe steht, dann knallt die Musik da heraus als stünde man neben den Boxen im Club. Macht aber Sinn: Danach sind die total aufgeheizt und gehen auf die Bühne und ziehen ihre Show ab.

Wenn Ihnen ein Fauxpas passiert, wie überspielen Sie diesen gekonnt?

Ich bin mir nie zu schade, über mich selbst zu lachen, mich zu entschuldigen und dazuzulernen. Natürlich zu reagieren, ist ganz wichtig.

Natürlichkeit ist gut, aber man will ja auch Eindruck schinden. Wo verläuft die Grenze zwischen Glamour und Pomp?

Schwierig. Zumindest wenn es um Dramatik geht, dann muss man diese
auch mit echten Gefühlen ausfüllen
können. Da bin ich kompromisslos. Ich zeige ohne Schutzschild, was in mir vorgeht.

An was denken Sie, wenn Sie die Mega-Ballade „Rise Like a Phoenix“ singen?

Bei diesem Song? Da ist es nach wie vor der Sieg. Und all die Situationen danach, in denen mir Menschen gezeigt haben, was dieses Lied für sie bedeutet. Jetzt wo sich viel an meinen Auftritten geändert hat, höre ich natürlich auch öfter etwas Wehmut. Fans fragen dann: Warum hat Conchita keine Abendkleider mehr an? Ich verstehe das total, die haben sich in eine Vision verliebt, die ihnen gut gefallen hat. Und wenn dann manche den Weg mit mir nicht weitergehen wollen, dann ist das auch in Ordnung. Von denen bedanke ich mich für die Unterstützung, aber es muss weitergehen.

Fans vertragen Veränderungen oft nur schleppend, aber als Künstler möchte man ja immer geliebt werden. Wie bekommt man die Balance hin?

Es ist total schwierig, dieses Ringen ist immer da. Und im Showbusiness findet man ja nie eine gemähte Wiese vor, man muss immer darum bangen, ob die neuen Sachen angenommen werden. Aber wenn ich Dinge machen muss, die nur anderen gefallen, dann macht mich das krank. In den letzten Jahren hatte ich solche Momente, in denen ich nur noch wie ein Roboter funktionieren musste und nichts mehr gespürt habe. Aber ich bin nicht mehr die Conchita von 2014. Es gibt noch so viel mehr, das ich zeigen und leben muss. Sonst macht es mich verrückt.

Wie arbeiten Sie daran, den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren?

Ich habe mit geführter Meditation angefangen, das entspannt mich total, obwohl ich da sehr skeptisch war. Davor habe ich gar nicht mehr aufgehört, nachzudenken, verschiedene Szenarien abzuwägen. Darüber hinaus habe ich aufgehört, für andere mitzudenken. Ich habe aufgehört, höflich zu sein. Wenn mir jemand einen Vorschlag macht und ich absolut keine Lust und Kraft habe, dann sage ich mittlerweile Nein. Das war sehr befreiend.