Fernsehkonzert

Star-Tenor Jonas Kaufmann singt italienische Opern im ZDF

Opernstar Jonas Kaufmann steht vor einem Karrierehöhepunkt – das ZDF zeigt sein Konzert. Auch abseits der Bühne genießt er den Moment.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Essen.  Der Klassikstar freut sich auf seinen Abend. Nicht nur, weil das ZDF am übernächsten Sonntag (15. Juli, 22 Uhr) für ein großes Publikum Jonas Kaufmanns Konzert ausstrahlt, das der Tenor zwei Tage zuvor in der Berliner Waldbühne gibt.

Der 48-Jährige genießt diese Tage regelrecht, an denen er abends auf der Bühne steht und tagsüber tun kann, was er möchte. Bei gutem Wetter geht er dann segeln und muss keine Sorge haben, dass er ständig angerufen wird. Einen Künstler kurz vorm Auftritt wolle keiner behelligen: „Es traut sich einfach niemand, mich anzusprechen wegen Terminplanung oder Ähnlichem.“

Mit dem ZDF-Konzert möchte er „beim Publikum nördlich der Alpen die alte Begeisterung für Italien auffrischen“ – er singt, von einem Orchester begleitet, italienische Opernhits, darunter Verismo-Schmachtfetzen von Mascagni und Leoncavallo. Hochkultur, die der ehemalige Mathematik-Student dem Fernsehpublikum schmackhaft zu machen versucht.

Wiedergeburt des Opernsängers Enrico Carusos (†1921)

Ein Herzensanliegen für Kaufmann, für den Italien ein Sehnsuchtsland ist. Mit dieser Musik ist er aufgewachsen, seine Eltern bezeichnet er als italophil. Sie legten den Grundstein für Kaufmanns Weltkarriere. Längst ist er mehr als ein Tenor: Vielen Fans gilt er als Wiedergeburt Enrico Carusos (†1921), des weltbekannten Opernsängers aus Neapel.

Die Bekanntheit Kaufmanns, der schon in Mailand, Paris, Brüssel und Wien gesungen hat, reicht weit über die Klassikwelt hinaus. Beim Finale der Champions League 2013 etwa hatte er an der Seite von Popgeiger David Garrett ein Gastspiel vor Zehntausenden Fußballfans. Sein Italien-Konzert in Berlin empfindet er als etwas Besonderes. „Ich mag es sehr gerne, wenn man ein Publikum spürt. Ich weiß auch gar nicht, was das ist, was man spürt – aber man merkt, ob die Leute dabei sind, ob sie abdriften, ob man etwas tun muss, einen Kniff anwenden, um sie wieder zurückzugewinnen.“

Zwei Konzerte mit buntem Opernprogramm in Spanien

So lässig der gebürtige Münchner mit seiner eleganten Erscheinung und seiner sanften bayerischen Sprachfärbung im Gespräch rüberkommt – der Tenor kennt die dunklen Seiten der Klassikwelt. Zuletzt sorgte er mit einem Interview für Aufsehen, in dem er davon berichtete, wie er zu Beginn seiner Karriere sexuell belästigt worden sei – ein Manager habe ihm ein Konzert angeboten, wenn er mit ihm in die Sauna gehe. Zudem ist Kaufmann ständig unter Druck: Von Berlin reist er weiter zum Schleswig-Holstein-Musikfestival.

Kurz darauf singt er den Siegmund in Wagners „Walküre“ in München, dann zwei Konzerte mit buntem Opernprogramm in Spanien, um danach für den Abschluss der Opernfestspiele wieder nach München zurückzukehren. Das alles noch vor der eigentlichen Sommerpause, die für Sänger und Musiker oft Festspielzeit und deshalb große Auslastung bedeutet. Ist dieses Pensum gesund?

Ausgleich findet der dreifache Vater bei seiner Familie

Kaufmann sagt, er sei fähig, sich während der Arbeitszeit zu entspannen, und begründet das mit seiner italienischen Sozialisation. „Es gehört zum Dolce Vita dazu, dass man die Kunst versteht, den Augenblick zu genießen. Dass man zehn Minuten Freizeit auch ­auskosten kann. Ich brauche nicht erst mal Zeit, um runterzukommen.“

Einen Ausgleich findet der dreifache Vater bei seiner Familie. Oder er schraubt zur Entspannung an seinem Boot. Manchmal putzt er auch zu später Stunde die Küche, um sich abzulenken. „Man muss bedingungslos dabei sein“, findet Kaufmann, „dann kommt man eben mal zu etwas weniger Schlaf.“

Rückkehr in die Heimat

Weil er auf all das nicht verzichten möchte, ist er froh, endlich angekommen zu sein. Vor sieben Jahren ist er zurück in seine Heimat nach München gezogen, er hat die Stadt zu seinem Rückzugsort gemacht. Mittlerweile arbeitet er an der Bayerischen Staatsoper, wo er beim „Parsifal“ auf der Bühne steht. In München fühlt er sich wohl, dort muss er sich nicht „abends im Kino verkriechen, um zu vergessen, dass man in diesem Beruf manchmal eben doch oft allein ist.“

In London oder New York, wohin den gefragten Wagner-Tenor viele Reisen führen, fühlt er sich hingegen mitunter einsam. Diese Städte, sagt er, seien ihm fremd geblieben. Auch in Bayern sei nicht alles perfekt. Aber dort hat er andere, leichtere Probleme: „In München muss ich eher die vielen Kontakte koordinieren und auch mal mit Leuten das Bier trinken gehen, das ich ihnen schon lange versprochen habe.“

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