Ex-EKD-Ratsvorsitzende

Margot Käßmann wünscht sich ein kirchliches Scheidungsritual

Die Ex-EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann wünscht sich ein kirchliches Scheidungsritual. Und kritisiert die CSU in der Asyldebatte.

Margot Käßmann geht in den Ruhestand.

Margot Käßmann geht in den Ruhestand.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Berlin.  Margot Käßmann schlägt der evangelischen Kirche einen anderen Umgang mit Paaren vor, die sich scheiden lassen. „In der Kirche könnten wir zeigen, dass Paare friedlich auseinandergehen können. Vielleicht legen die Ehepartner sogar die Ringe zurück auf den Altar“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche unserer Redaktion.

Die Theologin, die am Samstag in den Ruhestand verabschiedet wird, und zuletzt Botschafterin ihrer Kirche für das Reformationsjahr war, kritisiert, dass die Kirche sich nicht genug um Geschiedene kümmert: „Die Kirche bietet einen tollen Rahmen für herrliche Hochzeiten. Aber wo sind die Gottesdienste für diejenigen, die in Scheidung leben? Da hat Kirche auch eine Verantwortung“, sagte sie im Interview.

Auch für Kinder sei ein solches Ritual wichtig. „Ich sehe, wie Kinder leiden, wenn die Eltern gegeneinander kämpfen. Die Kirche kann hier Frieden stiften.“ Käßmann begründet diese Sicht auch mit eigenen Erlebnissen: „Nach der Scheidung hatte ich ein schlimmes halbes Jahr. Es war ein Spießrutenlauf.“

Käßmann: Söder im Asylstreit „verantwortungslos“

Auch findet Käßmann zum Asylstreit deutliche Worte. Sie kritisiert die Wortwahl von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der Asyldebatte als „verantwortungslos“. Das von ihm verwendete Wort „Asyltourismus“ sei eine „Enttabuisierung“.

„Dass ein Mensch sich aufmacht und sein Leben und das seiner Familie riskiert, um in Frieden und Freiheit leben zu können, ist kein Tourismus. Wenn Politiker wie Markus Söder so sprechen, dann ist das verantwortungslos“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland unserer Redaktion.

Die Theologin hält diese Diskussion um Flüchtlinge in Deutschland für „nicht christlich“: „Herr Söder sollte sich als evangelischer Christ sehr gut überlegen, was solch ein Begriff wie Asyltourismus für seinen christlichen Glauben bedeutet. Er will überall in Behörden in Bayern Kreuze aufhängen, spricht aber von Asyltourismus, das passt nicht zusammen.“ In der Bibel stehe, „den Fremden, der vor der Tür steht, sollt ihr aufnehmen. Gleichzeitig bin ich dafür, Gesetze anzuwenden“, sagte Margot Käßmann. (fmg)